Review

Animierter Alzheimer


Auch wenn „Kitbull“ und „Hair Love“ den diesjährigen animierten Kurzfilmoscar unter sich ausgemacht haben, ist mein ganz persönlicher Liebling wohl der französische „Memorable“, in dem ein alternder Künstler unter Gedächtnisschwund leidet und seine Welt langsam aber sicher anfängt zu verschwimmen, wie Farben auf einer Leinwand... 

Das Vergessen im Alter, Alzheimer und Demenz, das sind brisante Themen und Krankheiten, die uns alle betreffen. In einer immer älter werdenden Gesellschaft mehr denn je, in Zukunft akut wie nie. „Memorable“ fängt dies traurig, melancholisch und liebevoll ein, künstlerisch wertvoll und realistisch zugleich. Wie eine Mischung aus „Liebe“, „Vergiss mein nicht“ und „Anomalisa“. Ein absolutes Kunstwerk, eindringlich und zu Tränen rührend. Sicher nicht nur mich, sicher nicht nur Leute, die mit diesen Krankheiten schon mal näher zu tun hatten, in Familie oder Freundeskreis. Vom emotionalen Score über die sehr sensible, treffende Herangehensweise bis hin zu den packenden Dialogen mit seiner Frau, die er immer mehr vergisst, die jedoch bis zum Schluss zu ihm hält - das ist harter Tobak, das geht unter die Haut, das bleibt bei einem und betrifft uns alle. Und das wurde selten so gefühlvoll und delikat eingefangen, verbildlicht. Gefühle, Leben, Erinnerungen. Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit. Familie & Freunde. Bekanntes, Unbekanntes. Neues, Altes. Fragezeichen und Punkte. Herz und Hirn. Zettel, Notizen, Bilder. Gänsehaut. 

Fazit: besser wurde die Krankheit des Vergessens nie visualisiert... atemberaubend schön und herausragend emotional! 

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