Wenn ein Independent-Drama auf explizite Hardcore-Szenen setzt, will es in den meisten Fällen durch vermeintliche Provokation Aufmerksamkeit erregen. Die Filmemacher C. Huston und Joe Rubin setzen bewusst auf relativ abstoßende Szenen, um das Schicksal der Titelgebenden in jeder Hinsicht körperlich durchleben zu müssen.
Andrea (Katrina Zova) arbeitet als Camgirl und erhält ein scheinbar lukratives Angebot, um in LA Geld zu verdienen. Doch hier wird sie versetzt und landet auf der Straße, zwischen Drogen, Pornodrehs und gewalttätigen Dealern…
Geht man ohne sonderliche Vorkenntnisse an den Streifen heran, wundert man sich schon, nach weniger als zwei Minuten eine Mumu in Nahaufnahme zu sehen. Weitere explizite Sexszenen folgen und von den sechs Kapiteln gibt es nur eines ohne nackte Haut, was einen kleinen Hoffnungsschimmer in der Abwärtsspirale von Andrea offenbart. Hier trifft sie einen alten Mann (William Margold in seiner letzten Rolle), der via Escortgirl einfach nur ein wenig reden will.
Gefilmt auf 16mm ist es beileibe keine Freude, den 75 Minuten beizuwohnen. Kapitel eins ist in Schwarzweiß gehalten und noch ein wenig grobkörniger als der Rest ausgefallen. Dazu wackelt die Kamera in den unmöglichsten Momenten, was wohl ein wenig als Hommage an die Pornos der 70er angelehnt sein soll. Immerhin hält sich der Score zurück und unterstreicht die trostlose Grundatmosphäre, die nicht zuletzt durch die schmuddeligen Schauplätze wie Lagerhalle oder billige Absteige erzeugt wird.
Katrina Zova, welche bereits in einigen Pornos mitwirkte, nimmt man den in mehrerlei Hinsicht destruktiven Weg durchaus ab. Neben gängigem Geschlechtsverkehr gibt es einen Abstecher in SM-Gefilde, wo unter anderem mit Wäscheklammern hantiert wird, während ihre Andrea immer ausdrucksloser dreinschaut. Rein darstellerisch ist das okay performt, wobei die übrigen Mimen mehrheitlich Laien sind, was man ihnen leider auch ansieht. Auf dieser Stufe steht auch die unterirdische Synchro, wobei die Dialoge im Originalton auch nicht gerade niveauvoll ausfallen.
Horrorfreunde und Fans sonstiger düsterer Unterhaltung erhalten insgesamt nur eine Splattereinlage, der Rest ist zwar unangenehm zu verfolgen, dabei jedoch zu keiner Zeit spannend. Bedauerlicherweise gibt es nicht wenige Frauen, die mit dem Einstieg in die Pornobranche in ihr Verderben rennen, - ob es in dieser expliziten Form dargelegt werden musste, sei mal dahingestellt, denn auf emotionaler Ebene bewegt der Film nur wenig.
3,5 von 10