Alle paar Jahre wird Jane Austens „Emma“ neu verfilmt. In der bis dato populärsten Umsetzung mimte 1996 Gwyneth Paltrow die Titelgebende. Sich den Klassiker der Weltliteratur für ein Regiedebüt vorzuknöpfen, zeugt von einem überaus gesunden Selbstbewusstsein und Autumn de Wilde hält sich weitgehend an die Vorlage, wobei sie einen besonderen Wert auf die Optik legte.
Emma (Anya Taylor-Joy) ist 21 und pflegt ein privilegiertes Dasein im englischen Adel. Mit Vorliebe verkuppelt sie junge Damen, was zuweilen zu einigen Wirrungen führt. Auch im Fall ihrer besten Freundin Harriet (Mia Goth) mischt sie sich ein, während Emma ebenfalls Interesse für den einen oder anderen Recken entwickelt…
Der 1816 erschienene Roman spielt im England des frühen 19. Jahrhunderts, was de Wilde natürlich komplett übernahm. Die Ausstattung gleicht einem Kostümball im positiven Sinne: Aufwendige Kleider, mindestens genauso aufwendige Frisuren, große Räumlichkeiten mit ebenso großen Gemälden, dazu scheinbar unberührte Landschaften mit bunten botanischen Akzenten und nicht zuletzt ein fein abgestimmter Score, der eine gewisse leichtfüßige Note verbreitet.
Bereits die Eröffnungsminuten schüren ein gewisses Interesse.
Dieses wird allerdings rasch getrübt, da sich nach Einführung der relevanten Figuren zunächst nicht viel ereignet. Hier und da ein wenig Missgunst, dort etwas Manipulation, etwas Tratsch zur Auflockerung und im Mittelpunkt die eitle Emma, welche zunächst und darüber hinaus lange Zeit nicht als Sympathieträgerin durchgeht. Erst als ein Reifeprozess erkennbar wird, entwickelt sich so etwas wie Mitgefühl und eine daraus entstehende Erkenntnis.
Ansonsten ist es ein Schachspiel um die Gunst der Männer, was weder spannend, noch sonderlich humorvoll ausfällt. Einige ausufernde Szenen bei einem Ball erinnern lediglich daran, dass Tanz lange Zeit so etwas wie Ringelpietz mit Anfassen war und dienen erneut dazu, die prunkvollen Kostüme zur Schau zu stellen. Erst im letzten Drittel werden Absichten einzelner Protagonisten konkreter, doch von emotional mitreißenden Szenen ist man hier weit entfernt.
Immerhin können überragende Mimen wie Tayor-Joy und Goth primär im Zusammenspiel punkten, während sich andere dem gnadenlosen Possenspiel hingeben. Gestandene Leute wie Bill Nighy als Vater werden indes beinahe verheizt.
Was audio-visuell zu überzeugen vermag und mithilfe einer äußerst versierten Kamera treffsicher eingefangen ist, bleibt storytechnisch lange Zeit recht oberflächlich wie die Gesellschaft in der „Emma“ angesiedelt ist. Entsprechend entstehen innerhalb der 125 Minuten immer mal wieder deutliche Längen und aufgrund mangelnden Charmes plätschert ein Großteil des hübsch anzusehenden Werkes ohne Höhen und Tiefen vor sich hin.
5,5 von 10