Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 3 - 9,5/10
Staffel 3
Neonjahresretter
„Kipo and the Age of Wonderbeasts“ geht in die dritte und finale Runde an zehn Folgen. Auf Netflix. Heiss erwartet von mir. Eine der Serien, die 2020 ein wenig gerettet haben. Eigentlich waren sogar alle dreißig Episoden bzw. die komplette Serie von Beginn an fertig - aber Netflix teilte eben in drei Staffeln/Dosen. Ob ein ganzer Schwung mehr Hype ausgelöst hätte, bleibt fraglich, wäre mir jedoch wohl lieber gewesen. So oder so: mehr Aufmerksamkeit hätte diese außergewöhnliche Animationsserie von Dreamworks in jedem Fall verdient, denn sie ist in sehr vielen Bereichen erstklassig oder sogar darüber hinaus. Daher glaube und hoffe ich schon, dass in den nächsten Jahren immer mehr Leute diesen herzlichen Geheimtipp über ein junges Menschenmädchen, das sich ihren Weg durch eine neonfarbene Postapokalypse inklusive tierischen Mutantenwesen bahnt, entdecken. In diesem letzten Drittel und der glasklaren Auflösung der Geschichte versucht Kipo mit ihren Freunden einen endgültigen Krieg zwischen Menschen und Mutanten zu verhindern und die teuflischen „Impfpläne“ der Wissenschaftlerin Dr. Emilia zu vereiteln...
Staffel 3 von „Kipo“ zeigt sich von seiner besten, liebenswürdigsten und reifsten Seite, führt alles in eine verständliche und befriedigende Konfrontation bzw. Versöhnung. Die quasi radioaktiven Lilas und Blaus dieser futuristischen Welt stechen noch immer heraus, der Look bleibt ein Alleinstellungsmerkmal und sehr stylisch. Die gesamte Geschichte wirkt durchdacht, nicht gehetzt und zum richtigen Zeitpunkt beendet. Kipo ist eine unglaublich positive und inspirierende Person - jedoch ohne predigend oder nervig zu wirken. Diese zehn Folgen haben mir nahezu alles geliefert, was ich mir erwünscht habe und mich sehr glücklich (und auch etwas traurig, dass es nun vorbei ist) zurückgelassen. Die Synchronsprecher sind top. Die Aussagen für mehr Kompromisse, Diskussionen, Verständnis und Inklusion in alle Richtungen ist mehr als beispielhaft und vorbildlich. Der Humor, die bunte Mixtur an Ideen und Figuren plus das Tempotiming kratzen nach wie vor oft an Genialität (Dave ist jetzt schon ein All-Time-Favorit). Scarlemagne kommt einmal rund und wird zum Herzensheld. Es geht um Vergebung, Veränderung und bunte Gesellschaften. Themen, die kaum akuter und dennoch zeitloser und wichtiger sein könnten. Es gibt Kaiju-ähnliche Kreaturen, es gibt hantelnstemmende Stinktiere, es gibt schwule Powerpaare, es gibt J-Pop von fliegenden Fischen. Es gibt eine wahre Heldin, von der man sich gerne durch diese übersprudelnde Welt aus Mutationen und (positivem) Wahnsinn führen lässt. Ich würde jeder Zeit wieder mit ihr auf diese Reise gehen!
Fazit: „Kipo“ schließt nahezu perfekt ab und fast zum Olymp der erwachsenen „Kinder“animationsserien (mit sowas wie „Avatar: The Last Airbender“, „Steven Universe“ oder „Gravity Falls“) auf. Genau das, was man in dieser Zeit braucht. Positiv, herzlich und brückenbauend. Und doch keine weichgespülte Endzeitversion nur für die Kleinsten. Absolute A-Klasse! Feinste Familienunterhaltung mit Mehrwert! (9,5/10)