Gerade von einer erfolgreichen US-Mission in Afrika zurückgekehrt, will Ray Garrison (Vin Diesel) mit seiner Freundin ein paar schöne Tage in Italien verbringen, als die beiden von einer Bande Fieslingen gekidnapt werden: In einem Kühlhaus wird erst seine Freundin, und dann Garrison selbst getötet. Filmriß. Als Garrison wieder erwacht, befindet er sich in einer Privatklinik, dessen Leiter Dr. Emil Harting (Guy Pearce) ihn in seinem neuen Leben begrüßt: sein toter Körper war ein Geschenk der US-Army, und Hartings Firma konnte diesen dank Anwendung ihrer neuen Nano-Technologie wieder zum Leben erwecken. Mittels dieser Technik, in der winzige Aliens in der Blutbahn sämtliche körperliche Schäden in kürzester Zeit reparieren, können Schwerverletzte wieder vollkommen regeneriert werden, was der ehemals armamputierte Dr. Harting an sich selbst sowie einem früher lungenkranken dunkelhaarigen Kleiderständer (Eiza González) demonstriert. Damit ist Garrison nicht nur wiederhergestellt, sondern jetzt sogar ein Super-Soldat geworden, und da ihm auch seine Erinnerungen zurückimplantiert wurden, macht er sich auf direktem Wege auf, den Oberfiesling, der seine Freundin getötet hatte, zur Strecke zu bringen. Was ihm Dr. Harting allerdings nicht gesagt hat, betrifft die Herkunft der Erinnerungen, welche dieser nach Belieben zu manipulieren imstande ist...
In seinem neuesten Actioner prügelt sich Vin Diesel wieder wie gewohnt durch die Reihen der Verbrecher und niemand kann den in einer Mischung aus Robocop und Terminator 2 agierenden Rächer stoppen. Die Filmcharaktäre in Bloodshot besitzen nicht die geringste Tiefe und sind einem daher von Anfang an vollkommen egal, zumal ohnehin feststeht, daß der muskelbepackte Glatzkopf am Ende wieder als strahlender Held dasteht - etwas anderes läßt sein kolportiertes Image ohnehin nicht zu. Vorbei die Zeiten, in denen der New Yorker zumindest ambivalente Persönlichkeiten überzeugend darzustellen wußte, wie in Pitch Black oder Babylon A.D. - hier drischt er sich nach Schema F durch feindliche MG-Salven und Granaten - Gähn.
Bezeichnend für das flache Drehbuch auch die Rolle der Filmbeauty KT, für die die Mexikanerin Eiza González einfach nur gut aussehen muß ohne sonst auch nur das Geringste zur Handlung beizutragen bzw. der enervierend (möchtegern-) witzig auftretende Lamorne Morris in seiner Rolle als feindlicher Hacker Wigans, der sich auf Diesels Seite schlägt und ihn über die manipulierten Erinnerungen aufklärt: mit Ausnahme von Guy Pearce ein Sammelsurium uninteressanter Flachpfeifen, die man so oder so ähnlich gefühlt schon tausendmal auf der Leinwand gesehen hat...
Das einzig Positive an dieser Comic-Adaption sind die vielen tricktechnischen Spielereien, beispielsweise wenn die Nano-Aliens Schnittwunden sekundenschnell reparieren oder (blutige) Einschußlöcher wieder zusammenwachsen - Letzterer ein Effekt, den man zwar beispielsweise schon von Robert Patricks 1991er T-1000 kannte, der aber neben anderen hier graphisch sehr ansprechend umgesetzt wurde. Im dramaturgisch aufgeblasenen Finale, in dem Diesel gegen zwei ebenfalls nano-verstärkte Gegner auf einem Außenaufzug eines Wolkenkratzers kämpfen muß, nehmen diese Effekte dann jedoch überhand und verursachen fast Augenkrebs.
Der einzig interessante Aspekt des Plots, nämlich der Mißbrauch gefälschter Erinnerungen, womit jede mißliebige Person durch einen Super-Soldaten in Form eines persönlichen Rachefeldzuges - ohne weitere Motivation - eliminiert werden kann, fällt hier freilich komplett unter den Tisch.
Fazit: Vin-Diesel-Fans bekommen wie gewohnt ihre aufgepumpte Kampfmaschine - garniert mit feinen CGIs - serviert, für mich bleibt Bloodshot eine stylish aufbereitete oberflächliche SciFi-Krach-Bumm-Peng-Story von der Stange, wie es sie derzeit vermehrt gibt. 3 Punkte.