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Ein Blick über den Tellerrand hin zu slawischen Mythen und Folklore kann durchaus für frischen Wind im Genre sorgen. Allerdings ähneln sich Sagen um Hexen merklich, wodurch deutliche Parallelen zwischen „Baba Yaga“ und „Hänsel und Gretel“ auszumachen sind.

Der pubertierende Egor ist nicht glücklich in der familiären Situation. Vater und Stiefmutter kümmern sich fast nur noch um die neu geborene Schwester, welche eines Tages spurlos verschwindet. Egor und zwei Freunde verfolgen eine Spur in den angrenzenden Wald…

Regisseur Svyatoslav Podgaevskiy konnte bereits ein wenig Erfahrung auf dem Horrorsektor sammeln, „Der Fluch der Hexe – Queen of Spades“ tendierte in eine ähnliche Richtung. Einen deutlichen Fokus auf die titelgebende Hexe findet sich hingegen erst zum Finale. Bis dahin mischen ein dubioses Kindermädchen und ein Eremit im Wald mit, es gibt überall Familienprobleme, Coming-of-Age ist ein Thema und die drei unfreiwilligen Helden benötigen eine ganze Weile, um überhaupt erst ein Trio zu bilden. Die Hexe spinnt derweil nur ihre roten Fäden, ein solcher zieht sich aber nur unzureichend durch die bauteilartige Handlung.

Was optisch an einigen Stellen durchaus zu punkten vermag, obgleich hier und da Farbfilter ein wenig überstrapaziert werden und die wenigen jump scares aufgrund vorhersehbarer Begebenheiten meist verpuffen. Der dichte Wald, die einsame Hütte, ein großer, alter Ofen als Tor in eine Art Parallelwelt, - sobald der Stoff ins Surreale abdriftet, hat er ab und an seine Momente und selbst die schlichten Tricks mit weißen Klüsen bei kleinen Mädchen und verharrenden Spiegelbildern mit kurzem Eigenleben verfehlen ihre Wirkung nicht.

Zudem ist das Werk treffend besetzt und die drei jungen Abenteurer, welche gleichzeitig als Außenseiter und Identifikationsfiguren unterwegs sind, schüren im Verlauf gewisse Sympathiepunkte, obgleich sie hin und wieder auf die simplen Tricks des Gegners hereinfallen. Mut und letztlicher Zusammenhalt bügeln solche Mankos weitgehend aus.

Während audiovisuell mithilfe grundsolider Kamera und mindestens zweckdienlichem Score wenig auszusetzen ist, bilden einige Handlungselemente kaum eine schlüssige Einheit, zumal manches im Verlauf komplett untergeht und die Hintergründe zur Titelgebenden recht dürftig bleiben. Gleiches gilt für den Gewaltfaktor und die Anzahl an Spezialeffekten, wobei jene meist passabel in Szene gesetzt sind. So bleibt ein unterm Strich leidlich spannender und über weite Teile eher atmosphärischer Beitrag aus Russland, der seine Chancen dadurch verspielt, nicht etwas deutlicher auf den Putz zu hauen.
5,5 von 10

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