Als ein gewisser Eric Knight 1938 eine Kurzgeschichte mit einem Hund verfasste, hätte er es sich wohl kaum träumen lassen, dass daraus irgendwann der berühmteste Filmhund der Welt werden würde. 1943 folgte die erste Verfilmung, 1954 ging die langjährige TV-Serie an den Start, doch eine deutsche Variation ließ lange auf sich warten. Jenen Schritt wagte nun Hanno Olderdissen, der die Originalgeschichte in groben Zügen von England nach Deutschland verfrachtete.
Irgendwo in Bayern: Der 12jährige Flo (Nico Marischka) ist am Boden zerstört, weil die Vermieterin seine Colliehündin Lassie nicht im Haus haben will. Kurzerhand wird der Hund für eine Weile beim befreundeten Graf von Sprengel (Matthias Habich) untergebracht, der kurz darauf mit Enkelin Priscilla (Bella Bading) einen Trip an die Nordsee unternimmt. Doch Lassie büchst aus und tritt den beschwerlichen Heimweg an…
Bereits der Einstieg suggeriert eine kaum zu ertragende Idylle mit wunderschönen Landschaften in lebensbejahenden Farben, Zeitlupen des Langhaarcollies und einen emotionalen Score, als würden Romeo und Julia wider Erwarten zueinander finden.
Doch das Glück währt nicht lang, als mehr und mehr Figuren eingeführt werden, die allesamt ihr Päckchen zu tragen haben, - manche sogar im Bauch, wie Flos hochschwangere Mutter.
So wird der Vater (Sebastian Bezzel) wegen des aussterbenden Berufs des Glasbläsers arbeitslos, der Arbeitgeber-Graf gerät in finanzielle Not, dazu ein anderer Vater, der noch irgendwie um seine verstorbene Frau trauert, was herzlich wenig mit Lassie zu tun hat.
Zudem sind die beiden Kids figurentechnisch schwach ausgearbeitet. So schwach, dass Flo mit seiner trotzigen Heulerei irgendwann nervt und Priscilla dem rein gar nichts entgegen zu setzen hat. Da ist man schon dankbar für eine Schaustellerin (Jana Pallaske), deren Chihuahua zwar nicht ganz so majestätisch daherkommt, doch die Interaktionen der beiden Hunde zählen definitiv zu den Höhepunkten.
Zum Glück hat man auf den Einsatz eine Computertöle verzichtet und kann umso mehr die leider etwas rar gesäten Sequenzen des ausgezeichnet dressierten Collies bewundern. Etwa, wie er einen Wolf verjagt, Würstchen stiehlt oder einfach nur lange Strecken durch malerische Landschaften zurücklegt. In jenen Momenten vermisst man die Zweibeiner rein gar nicht, zumal Kamera und Schnitt grundsolide arbeiten und der Score gekonnt auf die Hundeszenen abgestimmt ist.
Trotz modernisierter Elemente (Smartphone und Internet spielen bei der Suche eine nicht unerhebliche Rolle), hat man es zumindest vermieden, sich bei der Zielgruppe mit pseudohippen Slang und entsprechenden Songs einzuschleimen, - so ein Hund ist schließlich auch eher zeitlos. Dennoch wirkt die Geschichte ein wenig zu überfrachtet, was die mehrheitlich passabel aufspielenden Mimen kaum zu kaschieren vermögen: Zu viele Nebenfiguren, zu wenig Hund. Zudem sollte man mit Kitsch umgehen können oder in entsprechender Stimmung sein, dennoch taugt er als Familienfilm mit Wohlfühlgarantie.
6 von 10