Review

Drüben ist's Gras immer grüner... 


Der diesjährige Kurzfilmkönig der Oscars heißt „The Neighbors Window“ und erzählt von einer Familie bzw. einem Ehepaar, das entdeckt, dass man ideal in die Wohnung der Nachbarn gegenüber gucken kann. Und das dort einziehende, jüngere, kinderlose Pärchen hat dauernd Sex, viele Parties und ein ziemlich anderes Leben als das langjährige, wieder schwangere Ehepaar, was natürlich ein wenig Begehrlichkeiten und Wehmut triggert...

Bei den Kurzfilmen bei den Oscars den Gewinner zu tippen, ist immer schwer und trennt die Spreu vom Weizen. Und warum „The Neighbors Window“, trotz auf den ersten Blick wichtigerer und wuchtigerer Konkurrenz, eine gute Wahl ist? Weil er ein altes Sprichwort exzellent in Bilder, Worte und Gefühle packt, universell und zeitlos. Warum vergleichen wir uns mit anderen? Warum vergessen wir dabei die Schönheit und Besonderheit unseres eigenen Lebens? Hat nicht alles seine Zeit? Jede Phase im Leben auf ihre Art und Weise etwas Tolles? Und die wenige Zeit, die uns bleibt, heisst es zu genießen und das ganz alltägliche Glück so gut es geht zu schätzen. All das packt diese ungewöhnliche „Peeping Tom“-Story auf den Punkt und hat mich zum Teil auch eiskalt erwischt, nachhaltig beschäftigt. Alltag mal anders, Neid mal mit Nutzen, Spannen mit Mehrwert und Message. Witzig, traurig, echt, exzellent. 

Fazit: simpel, humorvoll und weise - „The Neighbors' Window“ ist überhaupt nicht rührselig oder predigend, sondern einfach nur eindringlich und ehrlich und bewirkt in einem etwas. Etwas sehr Positives und Schätzendes. Danach sieht man sein „ach so langweiliges“ Leben, sein zur Gewohnheit gewordenes Glück und seine immer anwesenden Liebsten vielleicht nochmal mit ganz anderen, frischeren Augen... 

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