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Nach einer kurzen Einführung über die Bedeutung einiger an einem Wasserloch grasenden Rindviecher sieht man eine junge dauergewellte Indianerin in einem unvollständigen Bunny-Kostüm bei ihrem vergeblichen Versuch, eines der Tiere zu erlegen - sie wird nämlich dabei gestört von zufällig in der Nähe aufmarschierenden Truppen der Süd- wie der Nordstaaten, die sich gegenseitig über den Haufen schießen. Als ein dickbäuchiger Konföderierter die junge Apachin nebenbei vernaschen möchte, kann dies gerade noch von deren General (Ralf Richter) unterbunden werden - der aber bekommt schon etwa in Filmminute 11 einen Bauchschuß und ist nicht mehr lange mit dabei, während seine Truppen durch den Einsatz einer Gatling auf Yankee-Seiten den Krieg verlieren. General Richter kann gerade noch die Fahne an seinen Offizier Brutus übergeben, doch der wird auch bald gestellt und angeschossen. Dank herausragender Kenntnisse über Klapperschlangenserum kann die junge Apachin, die sich der verhüteten Vergewaltigung erinnert und Winnetou-artig eine gute Tat mit einer anderen guten Tat vergelten will, zumindest den Offizier retten, der fortan mit einem blutgetränkten Lappen vor der Visage durch Prärie und Saloons läuft und sich der Aufzucht von des Generals junger Tochter widmet, die nach einem plötzlichen Zeitsprung erblondet ist. Als diese aber sich nicht bumsen lassen und stattdessen in die Stadt abhauen will, metzelt sie der Offizier, der gerne auch mit einer langen Fleischerschürze unterwegs ist, kurzerhand nieder und verzehrt ihre Eingeweide, was aber nicht weiter schlimm ist, da sie somit in ihm weiterlebt und er ja auch noch auf die Fahne aufpasst...

So oder so ähnlich könnte man die zweifelhafte Handlung (oder was auch immer dies darstellen soll) von Trashfilmer Jochen Tauberts neuem Werk Lebendig skalpiert beschreiben, zu dem er wieder sein Stadtlohner Filmteam aus der - wer hätte das gedacht? - gleichnamigen Kleinstadt an der niederländischen Grenze bemüht hat.
Neben dem erwartbar vollkommenem Unvermögen fast sämtlicher Darsteller, irgendetwas Schlüssiges darzustellen, lockt bei dieser Billigproduktion vor allem der nicht ganz unbekannte Ralf Richter auf dem Cover, welcher ja in diversen TV-Produktionen gern mal den Asi raushängen läßt - leider hat man ihn hier in eine zu große Südstaaten-Uniform gesteckt und statt provozierend wirkt er eher temperamentlos und müde - bei sehr begrenzter Screentime eher eine Enttäuschung.
Als halbwegs sinnvoll stellt sich die bisweilen kommentierende Stimme aus dem Off heraus, die zumindest bei so manchen abgefilmten Begebenheiten dem geneigten Zuseher in (be)ruhige(nde)m Ton erklärt, was gerade vor sich geht oder gehen soll. Eine permanente Untermalung mit einem selbstgemachten Score hinterläßt einen zumindest zwiespältigen Eindruck, einige nachträglich synchronisierte Schreie sind grottenschlecht eingefügt; daneben sind diverse teils ausführlich abgefilmte Gore-Szenen zu konstatieren, die zum Teil handgemacht eine gewisse Richtung vorgeben, die freilich in keinster Weise mit dem sonstigen Ambiente oder dem (selten erkennbaren) Plot zusammenpassen - was aber kaum überraschen dürfte. Einige erkennbar computergetrickste Blutspritzer bei Kopfschüssen bzw. Dampf von heißem Kaffee auf einem Yankee-Schädel stören allerdings die weitgehend vorherrschende trashige Film-Atmosphäre, wie auch einige anfängliche Massenszenen vom Schlachtfeld verwirrend wirken und zumindest jenen, die noch nie von Taubert & dem Stadtlohner Filmteam gehört haben, ein gewisses Budget vorgaukeln.

Natürlich dürfen in dieser Komödie auch ein paar Zoten oder weibliche Brüste nicht fehlen, und so zieht sich das Geschehen um den grunzenden maskierten Offizier Brutus genauso blutig wie vorhersehbar dahin. Der zeitweilig überbordende Dilettantismus der Nicht-Schauspieler mag noch für den einen oder anderen Lacher sorgen, ansonsten fehlen aber besondere Highlights - auch nach genre-immanenten easter eggs wie digitalen Armbanduhren oder Benzinkutschen sucht man vergebens.
Ein sehr spezieller Film für ein sehr spezielles Publikum - halbwegs neutrale 4 Punkte auf der nach oben offenen Trash-Skala.

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