ACHTUNG! SPOILER!
Anwalt John Travolta riskiert alles und verliert........
Story:
Mit dem neusten Fall glaubt Anwalt Schlichtmann ( John Travolta) den großen Reibach zu machen. In einer Kleinstadt sind Kinder an Leukämie erkrankt und gestorben. Anfangs skeptisch nimmt Schlichtmann den Fall an. Die Ursache soll, laut der Eltern, in dem versuchtem Trinkwasser liegen. Der gegnerische Anwalt Facher (Robert Duvall) will sich mit Schlichtmann außergerichtlich einigen. Schlichtmann will aber Gerechtigkeit und lehnt ab. Die teuren geographischen Untersuchungen vor Ort treiben seine Kanzlei in den Ruin. Die Gegner aus der Industrie sitzen am längeren Hebel und haben viel mehr Geld.....
Steven Zaillian gelang mit diesem Gerichtsthrillers ein kleines Meisterwerk, das zwar kein Film für das Kino (dafür ist er zu anspruchsvoll), dennoch vielleicht der beste Film seines Genres ist. Der Film beschreibt einen authentischen Fall und stellt das Schicksal der Geschädigten, so wie den Anwalt Schlichtmann in den Vordergrund. Aus dem Geldgeier wird ein Mann der nur Gerechtigkeit will und alles verliert. Spannend und ehrlich bis zum Ende.
Musik:
Musik wäre in diesem Film fehl am Platze und würde den Film auch nicht sonderlich beeinflussen. Einzig die melancholischen Klänge am Ende unterstützen den Niedergang von Schlichtmann, der alles verliert. Traurig.... Dieser Film braucht und besitzt keine stimmige Musik.
Atmosphäre:
In diesem Film steckt unbeschönigte Kritik am amerikanischen Rechtssystem. Wobei ich mich frage, ob ähnliches in Deutschland auch passieren kann. Im Grunde hat Schlichtmann von Anfang an keine Chance und das weiß sein Gegner Facher. Völlig relaxt geht der nämlich an den Fall und schlägt Schlichtmann sogar eine außergerichtliche Einigung vor. Der will aber inzwischen Gerechtigkeit. Darauf folgt ein Ausgabenwettlauf beider Seiten, den Schlichtmann verliert. Dieser Film ist kein billiges Hollywood Fast Food, sondern ein anspruchsvolles Werk, dass wirklich an die Nieren geht. Detailliert wird nicht nur das Schicksal Schlichtmanns, sondern auch das der Geschädigten und der Gegenseite dargestellt.. Hinzu kommt ein Richter, der leider von vorneherein sehr eingenommen ist.
Besonders anfangs hört man sehr ehrliche Sätze John Travoltas. Wie viele Anwälte so direkt ans Geld denken wage ich mal nicht zu fragen.
Der Prozess wird von Anfang bis Ende behandelt, wobei dem Zuschauer aber schnell klar wird, dass Schlichtmann gegen Windmühlen kämpft. Spannend sind dabei vor allem die Befragungen der Arbeiter und Bewohner. Hätten die vor Gericht ausgesagt hätte man gewonnen. Doch aus finanziellen Gründen fehlen leider die Beweise, wie das Gift in die ein Kilometer entlegenen Brunnen kam.
Das traurige Ende dürfte jeden Zuschauer näher gehen. Schlichtmann verliert alles. Sein finaler Termin vor Gericht ist bezeichnend. Als die Richterin (Schlichtmann wird von seinen Gläubigern beklagt) fragt, wo sein ganzes Geld hin ist wagt er keine Antwort. Ein wenig Genugtuung bekommt der Zuschauer zum Ende hin, als kurz erklärt wird, was aus den Konzernen geworden ist.
Schauspieler:
John Travolta außerhalb seines Elements. Überraschend sensibel und unspektakulär spielt er den Anwalt Schlichtmann und lässt so der Story genug Platz. Der anfängliche ewige Gewinner und Geldhai wird zum überzeugten Gerechtigkeitskämpfer. Eine sehr ernste Rolle, die Travolta mit unvermuteter Ernsthaftigkeit spielt. Eine seiner besten Leistungen Scientologe hin oder her....
In weiteren Rollen wird der Film durch Schauspieler wie Robert Duvall (als weiser Anwalt Facher sehr überzeugend) oder John Lithgow (perfekt als voreingenommener Richter) veredelt. Eine Wahnsinnsriege, für einen recht unbekannten Film.
Fazit:
Sicher ist der Film Kinogassengift und für Videoabend ist er auch nicht geeignet. Dieser Gerichtsthriller ist eine flammende und anspruchsvolle Kritik am amerikanischen Rechtssystem mit pessimistischen Ende und hervorragenden Darstellern. Klasse und zu unrecht so unbekannt. Eine echte Perle........