Review
von Leimbacher-Mario
(Not-)Buddy-(Not-)Cop-(Not-)Comedy... ?
Dem genialen Nanjiani verzeihe ich selbst „Stuber“, Frau Rae ist strahlend toll und Michael Showalter hat mit „Hello My Name Is Doris“ und vor allem „The Big Sick“ erstaunliches Comedygefühl und Talent bewiesen, sodass ich „The Lovebirds“ kein bisschen als generischen Netflixlacher abgestempelt, sondern eher als Vielleicht-Geheimtipp eingestuft hatte. Ganz abgesehen davon, dass Netflix hier in diesem Fall eh nur fix und coronabedingt das Portemonnaie gezückt, aus dem Kino von Paramount übernommen hat. Die schmissige Krimikomödie erzählt von einem Pärchen, das nach Jahren Beziehung im Auto Schluss macht bzw. erkennen muss, dass es wahrscheinlich für beide zusammen nicht weitergeht. Doch dann wird ihr Auto mitsamt ihnen drin gekidnappt und ein Mord damit ausgeübt, wonach die beiden flüchten und aus Angst vor der Polizei und dem möglichen Tatverdacht die Nacht damit verbringen, den Mörder selbst aufzuspüren...
„The Lovebirds“ läuft unter 90 Minuten ins Ziel, hat eine nahezu perfekte Länge, eine kaum zu bremsende Geschwindigkeit, meist solides komödiantisches und emotionales Gespür, zwei absolut funkensprühende Stars (die beide noch lange nicht auf ihrem Höhepunkt sind!) - und bleibt am Ende dennoch etwas hinter meinen (zugegebenermaßen recht hohen) Erwartungen zurück. Nicht falsch verstehen, das Ding ist in den besten Momenten enorm sympathisch und ein guter Zeitvertreib, minimal etwas fürs Herz und schon mehr etwas fürs Zwerchfell. Doch ganz geht die einfache Rechnung der Talente nicht auf, so gern ich die fast etwas 80er-Jahre-mäßige Story und Herangehensweise auch habe. Oft wird gefühlt zu lange und hit-or-miss improvisiert, gerifft, manchmal bis ans Fremdschämen heran, oft ist alles doch extrem „Malen nach Zahlen“ und vorhersehbar, oft wirkt's überzogen und lebsch, oft wirkt das nicht mehr ganz frisch und eher wiedergekäut oder einfach mal probiert und gesehen, was dabei herumkommt. Ein Komödienklassiker ist dabei leider nicht entstanden, eher etwas für zwischendurch und den schnellen Hunger, egal ob mit Freundin oder in geselliger Rinde, egal ob frisch verliebt oder kurz vor der Trennung. Immerhin. Und besser als „Stuber“ oder viele der letzten Sandler-Komödien auf Netflix ist das definitiv.
Fazit: nicht nur die beiden alles gebenden Stars schwanken zwischen cringy/nervig und sympathisch/süß, der ganze Film tut das. „The Lovebirds“ hat ein hohes Tempo, eine oldschoolige Grundidee und oft genug (mal sexy, mal melancholische) Pärchenchemie. Aber für mehr als Nebenbei-Sonntagnachmittag-Unterhaltung reicht es dann doch nicht ganz. Ein Vorzeigetitel, an dem man sofort sieht, warum er von Paramount an Netflix abgetreten wurde, vielleicht sogar nicht nur durch die Pandemie. Der passt einfach und gemütlich auf die Couch. Selbst wenn einige Lacher im Verbund und Dunkeln sicher noch wesentlich lauter gewesen wären. Gut.