Review
von Leimbacher-Mario
Eine volle Tüte Wes
In seiner neuesten filmischen Collage löst Wes Anderson alle übrig gebliebenen Fesseln und liefert mit „The French Dispatch“ nicht nur das womöglich größte Starensemble unserer Zeit ab, sondern auch einen enorm fantasievollen, stilvollen und geschmackvollen Anthologieritt durch die Annalen eines fiktiven Erfolgsmagazins mit etlichen wilden Geschichten, skurrilen Figuren und einem nun toten Chefredakteur…
„The French Dispatch“ ist episodisch, wenig emotional und mit kaum Verbindungen zu den ständig wechselnden Figuren. Er ist super künstlich und ohne Frage extrovertiert, artifiziell und experimentell. Künstlerisch wertvoll und audiovisuell perfekt. Er ist nichts für den Mainstream und umso mehr für Andersons Anhängerschaft. Ein erbarmungslos schönes und verspieltes Geschenk, nahe an einem Meisterwerk. Selbst wenn ich etwa „Grand Budapest Hotel“ persönlich noch etwas höher einstufen würde. Die Liste der Stars sprengt jeden Rahmen. Trotzdem driftet das theatralisch-augenzwinkernde Stück in unter zwei Stunden ins Ziel. Der Grad der fühlbaren Spielfreude, Chemie und fast schon familiäreren Stimmung ist wahnsinnig hoch. Alle hatten Spaß dabei und sehen jede noch so kurze Beteiligung als Ehre. Zurecht. Locker durch die Hose atmend, französisch und doch amerikanisch, Parodie und doch ernsthaftes Kunstwerk. Anderson kann nur Anderson. Und hier treibt er’s auf die Spitze. „The French Dispatch“ ist sein vielleicht zackigstes und schnittigstes Werk. Ein Potpourri der Einfälle, der Symmetrie, der spielerischen Schönheit. High Class-Arthouse war selten spritziger und fluffiger.
Fazit: die kreativste Kunstkinokakophonie der letzten Jahre. Und eine wunderschöne, überhöhte Ode an den Journalismus. Comichaft und charmant zum Quadrat. Für Anderson-Fans ein feuchter Traum frisch aus seiner unvergleichbaren Denkdruckfabrik.