Review

Requiem For a Baby


Wenn man frisch aus einem Double Feature aus „Babyteeth“ und „Never Rarely Sometimes Always“ kommt, dann kann man nur den Kopf über diejenigen schütteln, die ankreiden, dass „ja gar keine neuen Filme in die Kinos kommen“ oder dem neuesten 007 allzu lange nachtrauern. Und sich dann auch noch am liebsten Kinonerds und Filmfans nennen. Unfassbar. Aber sei's drum. Bin ja zum Glück nicht der Einzige, der sein kleines Arthouse-Kino um die Ecke nicht vergessen hat - was die sehr soliden Zuschauerzahlen heute Abend trotz durchgängiger (!) neu eingeführter Maskenpflicht beweisen. Das nur als Hinweis für euch selbsternannten „Hardcore-Kinogänger“ auf Filmstarts und Co., die für mich kaum mehr Mainstream sein könnten - es gibt momentan genug Perlen, vielleicht mehr als vorher (!), im KINO zu entdecken. Einfach mal außerhalb der Komfortzone gucken. Ein klein wenig. Nach links. Nach rechts. Ihr werdet’s nicht bereuen. So. Genug Rant. Auf zu „Never Rarely Sometimes Always“, in dem ein unglücklich schwangeres Teenagermädchen vom Land mit ihrer Cousine per Bus nach New York fährt, um heimlich eine nicht ungefährliche Abtreibung durchführen zu lassen...

„Never Rarely Sometimes Always“ bezieht sich auf die Auswahlmöglichkeiten, die der jungen Schwangeren in NYC bei einem Fragebogentest immer wieder aufgezählt werden - und zu denen sie (in einem famosen One-Shot!) oft gar nicht wirklich viel sagen muss, damit wir Zuschauer wissen, was los ist, was sie durchmachen musste, wie es ihr geht und was wohl die korrekten Antworten sind. Allgemein ist es erstaunlich, wie wenig Worte geschweige denn große Gesten dieser Indie-Darling braucht, um die Brisanz und Essenz dieser Situation komplett rüberzubringen und zu übertragen. Der Look ist unterkühlt, die dargestellten Eltern und die kaputte Familiensituation sind schockierend, das Thema wirkt absolut authentisch und nachvollziehbar getroffen. Und trotz aller Traurigkeit und seelischer wie körperlicher Schmerzen schimmert noch immer genug Lebensmut und Freude durch, die „Never Rarely Sometimes Always“ schlicht zu einem DER Filme über Abtreibung und junge Schwangerschaften überhaupt machen. Vor allem die zwei Mädels Flanigan und Ryder haben an dieser ganz besonderen Stimmung und glaubhaften Art einen Löwenanteil - was für zwei starke Frauen und Performances! Ohne Hype, ohne Drama, ganz sicher ohne Kitsch oder Übertreibungen. Dieses zeitlose Zelluloidstück hat es in sich und braucht dafür keine Tricks oder Gimmicks. Ein Lehrstück gegen Unachtsamkeit, für Zusammenhalt unter Frauen und über verlorenes Vertrauen innerhalb der Familie. 

Fazit: ein enorm konzentriertes und hartes Abtreibungsdrama. Pflichtprogramm - für Männer vielleicht sogar noch mehr als für Frauen. Deprimierend, wahrhaft, echt. Natürlich und naturalistisch. Traurig. Trist. Aber irgendwie dennoch voller Schönheit. Und Kraft eh. Kraft für drei Filme. 

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