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Wenn bei einem zeitgenössischen Hood Movie davon die Rede ist, dass „Karate Kid“ (der von 1984) ein richtig alter Film ist und Rapper Tupac schon mindestens 100 Jahre tot sein soll, merkt man erst das eigene Alter. Die globalen Probleme der Jugend sind indes dieselben geblieben.

West Baltimore: Der 14jährige Mouse (Jahi Di'Allo Winston) möchte insgeheim in die Fußstapfen seines verstorbenen Bruders treten und Mitglied der ortsansässigen Dirt Biker der Midnight Clique werden. Als er den ehemaligen Boss der Gang, Blax (Meek Mill) kennen lernt, darf er in dessen Werkstatt arbeiten und an Bikes herumschrauben. Doch Mouse läuft Gefahr, mit seinen beiden Kumpels auf die schiefe Bahn zu geraten…

Die Geschichte ist inspiriert von der Dokumentation „12 O’Clock Boys“ von 2013, in der ein Junge die örtliche Biker Gang anhimmelt, während andere Teile ein wenig an „In den Straßen der Bronx“ erinnern. Hauptfigur Mouse tritt zunächst als Poser auf, der die Neue in der Nachbarschaft beeindrucken will, während seine Kumpels das Klischee des Trios durch den Stillen und den lustigen Dicken komplettieren. Nebenfiguren wie die gestresste, allein erziehende Mutter, ein vermeintlicher Mentor und Cop und ein paar krumme Drogenkuriere decken ebenfalls bekannte Schalthebel ab und sorgen fast schon für ein vertrautes Terrain. Würde man allerdings ein Trinkspiel bei den Begriffen „Bro“, „Motherf…“ und „Nigg…“ veranstalten, wäre die Flasche in weniger als zwei Minuten leer.

Leider kommen die Motorrad-Stunts deutlich zu kurz, denn da sind durchaus fähige Leute am Werk, die neben Wheelies allerlei Schabernack auf den Straßen treiben, während eine Hatz mit mehreren Cops eine dynamisch inszenierte Actionsequenz beisteuert, die einen raren Höhepunkt in Sachen Schauwerte ausmacht. Der Rest besteht aus typischem Coming-of-Age, einschließlich einer holprig erzählten Beziehungsgeschichte, die viel zu beiläufig eingebunden ist, um glaubwürdig zu sein. Da ist es um die Entwicklung zwischen Mouse und Blax deutlich besser bestellt, schon aufgrund der emotionalen Schlüsselmomente.

Letztlich geht es um Einflüsse auf ein junges Leben, um Verständnis für Verantwortung und Entscheidungen im Zuge eines Reifeprozesses, was gegen Ende etwas zu weichgespült erscheint. Die starken darstellerischen Leistungen nahezu aller Beteiligter und die Wahl der authentischen Sets trösten jedoch über die eine oder andere Vorhersehbarkeit hinweg.
Knapp
6 von 10

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