Willem Dafoe mit Schlittenhunden in Sibirien, - das klingt doch nach einem mitreißenden Abenteuer Richtung Jack London. Doch weit gefehlt. Abenteuerlich ist nur die Art und Weise, wie der einstige Regie-Provokateur Abel Ferrara seinen Selbstfindungstrip in Form eines Fiebertraums umsetzt.
Im Mittelpunkt steht Clint (Dafoe), der irgendwo im hintersten Sibirien eine Art Bar in einer Holzhütte betreibt, in die sich nur sehr selten Gäste verirren. Eines Tages beschließt er, mit seinen fünf Huskies eine Reise anzutreten…
Bereits nach wenigen Szenen fragt man sich unweigerlich: Bleibt das jetzt so? Als sich eine Babuschka nebst Tochter in die Hütte begibt und letztgenannte Brüste und Babybauch freilegt, woraufhin Clint sie ohne Berührungsängste liebkost, möchte man dem alten Mann beinahe zum Vaterglück gratulieren. Aber nix da. Hier ist nichts wie es scheint und eine schlüssige Handlung sollte man schon gar nicht erwarten.
Das offenbart sich spätestens, als sich die Szenerie von einer Sekunde auf die nächste von Tundra in Wüste verwandelt, wo innerhalb eines Beduinenzeltes ein OP-Tisch mit westlich aussehenden Ärzten versammelt ist und Clints Vater (ebenfalls Dafoe) mit einem Skalpell hantiert. Wenige Szenen später befindet sich Clint, immer noch begleitet von den fünf Hunden, in einem saftig grünen Wald wieder, wo ein Magier mit nihilistischen Zitaten um sich wirft.
Dazwischen ein paar nackte Frauen, gerne auch mal auffallend klein oder rasch von dunkelhäutig zu asiatisch wechselnd, während sein kleiner Sohn von einem Mädchen verkörpert wird. Kindheitserinnerungen werden aufgefrischt, welche wohl hauptsächlich darin bestanden, mit Kindern um den Maibaum zu tanzen, während im Hintergrund Del Shannons „Runaway“ läuft. Ein Moment, der aufgrund des launigen Songs kurzfristig aus der Lethargie reißt.
Visuell ist das Gedöns zeitweise recht ansprechend aufgezogen. Obwohl in Südtirol statt Sibirien gedreht, sind die Naturaufnahmen überwiegend gelungen und auch die Farbgebung ist bei den Außenaufnahmen stimmungsvoll aufeinander abgestimmt. Dafoe wirkt hingegen oftmals ein wenig verloren, was bei dem Drehbuch kein Wunder ist.
Am Ende gibt es keine Aussagen, keine Erklärungen, nur einen Flickenteppich surrealer Aneinanderreihungen, die wohl autobiographische Ansätze verfolgen. Ein Ausflug in die zerrüttete Psyche der Hauptfigur bringt ohne Zugang herzlich wenig, da nützt auch ein sprechender Fisch nichts. Lediglich ein paar wenige atmosphärische Einstellungen der Seelenlandschaften retten noch etwas, der Rest ist küchenpsychologischer Symbolquatsch.
3,5 von 10