Nach außen führt die junge Laura eine glückliche Ehe mit dem reichen Investmentbanker Martin. Doch der Schein trügt: Sind die beiden allein, quält Martin seine Frau mit überaus pingeligen Haushaltsvorschriften und schlägt sie bei den nichtigsten Kleinigkeiten. Der Ausbruch aus dieser Hölle erscheint plötzlich möglich, als das Ehepaar an einem stürmischen Abend zu einem Segeltörn eingeladen wird. In einem unbeobachteten Moment geht sie über Bord, packt ihre nötigsten Sachen und taucht unter neuem Namen in ihrer Heimatstadt unter. Zunächst bleibt Martin im Glauben, daß Laura ertrunken sei, bis er in der Toilette ihren Ehering entdeckt...
Spannender Psychothriller von Joseph Ruben („Das Zweite Gesicht“) mit dem namhaften Publikumsmagneten Julia Roberts in der Hauptrolle. „Der Feind in meinem Bett“ bietet zwar keine neuen Ideen innerhalb des Genres und ist ziemlich konventionell aufgebaut, doch versteht der Film es, von Anfang bis Ende zu fesseln, was ja schließlich auch der Sinn eines Thrillers sein sollte. Obwohl Frau Roberts im Gegensatz zu anderen erfolgreicheren Werken hier eher blaß bleibt - anzuerkennen wäre allerdings, daß sie sich bei den brutalen Szenen nicht doubeln ließ und sich auch wirklich einige blaue Flecken und Prellungen während des Drehs abholte -, stellt sie eine glaubwürdige Identifikationsfigur dar, was wiederum am dämonisch guten Patrick Bergin liegen dürfte, der seine Rolle voll und ganz auszufüllen vermag. Aus dem Grund stellt sich der Zuschauer um so deutlicher hinter Laura.
Ruben dreht die Spannungsschraube kontinuierlich nach oben. Zu diesem Zweck wechselt er anfangs zwischen den Schauplätzen hin und her. Er zeigt einerseits, wie Laura sich ein neues Leben aufbaut, und präsentiert andererseits, wie Martin nach und nach hinter ihre neue Identität kommt, bis sie sich letztendlich zum großen Finale gegenüberstehen.
Im Laufe des Films bedient sich Ruben einer nicht geringen Anzahl von Spannungsklischees, was dazu führt, daß man relativ schnell erahnt, wie die ganze Geschichte ausgehen wird. Dennoch bietet „Der Feind in meinem Bett“ einen nervenkitzelnden und ziemlich reißerischen Schluß, der allerdings nur in der ungekürzten FSK-16-Fassung in vollen Zügen zu genießen ist, weil er gerade durch sein übertriebenes genreübliches Effektgehasche - der Bösewicht fällt nicht etwa auf der Stelle tot um, wie es in der Realität wohl der Fall wäre, wenn man auf ihn schießt - und seinen abschließenden Schockmoment ausgesprochen wirkungsvoll und spannend ausgedehnt wird. Ein hoher Unterhaltungswert ist garantiert, auch wenn der Showdown insgesamt etwas kurz ausfällt. Schaut man sich dann noch den Film FSK-12-gekürzt an, so bleibt kaum etwas von der finalen Spannung übrig.
Jerry Goldsmith, ein Meister seines Fachs, hat für diesen Film übrigens wieder eine sehr gute Musikuntermalung zustande bekommen, die passend eingesetzt wird und über einen längeren Zeitraum im Gedächtnis bleibt. Das „Berlioz“-Thema dürfte dem interessierten Filmgucker auch noch aus der suggestiven Anfangssequenz von „Shining“ (1979) bekannt vorkommen.
Fazit: Vorhersehbarer Psychothriller mit wohlbekannter und x-mal verwendeter, aber interessanter Thematik (Bösewicht verfolgt erbarmungslos eine Frau), der es trotz allem schafft, fesselnd bis zum Schluß zu bleiben. Ein spannender Unterhaltungsfilm - nichts Besonderes, aber gut! Eben typisch Joseph Ruben ( „Spur in den Tod 2“)!
GESAMT: 7/10 (Unterhaltungswert: 7 - Handlung: 6 - Schauspielerische Leistungen: 7 - Kameraführung/Atmosphäre: 7 - Musik: 9)