Emerald Fennells Debut ist ein unangenehmer Film. Von der ersten Szene an bis zum unerwartet konsequenten Ende und weit darüber hinaus. Ein Film, der bereits in seiner Vermarktung täuscht und dem Zuschauer dann noch mehrmals den Boden des scheinbar sicheren Filmvergnügens unter dem Boden wegzieht.
Im Kleid einer poppigen Revenge-Thrillerkomödie werden hier auf den ersten Blick alle dazugehörigen Klischees bedient, doch der Film unterläuft diese ständig. Sei es durch die Besetzung der toxisch männlichen Typen mit ausschließlich auf komödiantische „Nice Guys“ festgelegte Schauspieler, sei es durch die Auslassung von Kernelementen, die andere Filme ausgiebig zelebrieren würden. Und natürlich durch den letzten Akt, der vorgeschriebene Genreerwartungen bewusst unterläuft, sich dem Mainstream auf radikale Weise verweigert und bestimmt nicht nur von Männern und Frauen unterschiedlich aufgenommen werden wird.
PROMISING YOUNG WOMAN ist ein wahnsinnig stil- und selbstsicher inszenierter Film, von Carey Mulligan unglaublich gut gespielt, überhaupt hervorragend besetzt, mit tollen Dekors und einem klasse Soundtrack. Und es ist ein unangenehmer Film, der einen mit einem Stein im Magen nach Hause schickt. Ganz groß.