Jeder Mensch weiß, dass man bei der Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative unterteilt und dass die Medien teilweise als Nr. 4 angesehen werden. Aber musste man dem TV-Thriller „Deadlocked“ hierzulande wirklich den sinnfreien Untertitel „Die fünfte Gewalt“ verpassen?
Jacob Doyle (Charles Dutton) ist an sich ein guter Vater, der seinen Sohn Demond (Jo D. Jonz) aber lange nicht gesehen hat. Dann erfährt er, dass seinem Sohn für die Vergewaltigung und den Mord an einer weißen Frau der Prozess gemacht wird und alle Indizien für die Schuld seines Sprösslings sprechen. Bei der Bebilderung dieser Situation muss man „Deadlocked“ doch Geschick zusprechen, denn die meisten Fakten erfährt man aus dem Vorspann ohne großes Federlesen.
Staatsanwalt Ned Stark (David Caruos) hat auch Schwierigkeiten mit seinem Sohn, aber dabei geht es nur um in der Schule gemachten Unsinn. Doch auch als Vater kann er nicht verstehen, warum Jacob, ehemaliger Justizvollzugsbeamter, so sehr an die Unschuld seines Sohnes glaubt. Ned hat dafür gesorgt, dass Demond verurteilt wird – vermutlich zum Tode. Der Vateraspekt der Figur Ned ist an sich ein netter Einfall, wird aber sehr vernachlässigt. Dabei wäre gerade dies eine interessante Gemeinsamkeit der beiden Hauptfiguren.
Doch als sich die Geschworenen gerade beraten wollen und das Schicksal Demonds besiegelt scheint, kommt es bei Jacob zu einer Kurzschlussreaktion: Mit zwei Pistolen bringt er die Geschworenen, seinen Sohn und den Ehemann der Ermordeten in seine Gewalt und verschanzt sich in einem Nebenraum. Seine Forderung: Ned soll den Fall innerhalb von 24 Stunden neu aufrollen und den wahren Täter finden…
Bei „Deadlocked“ wechseln sich Licht und Schatten ab: So ist das Szenario mit der Geiselnahme alles andere als neu und teilweise läuft das Ganze auch sehr konventionell ab. Ähnlich wie in Filmen á la „Verhandlungssache“ plant die Polizei Zugriffe, muss aber einsehen, dass auch der Geiselnehmer ihre Methoden kennt und sich dagegen zu wehren weiß. Auch psychologische Ansätze bei der Thematisierung von Gegensätzen wie Geiselnehmer – Geiseln, Vater – Sohn oder Staatsanwalt – Geiselnehmer werden leider nur angekratzt und man kann deshalb nur schwer mit den Charakteren mitfühlen.
So wird der Plot größtenteils auch nur routiniert durchgezogen, was der Spannung natürlich gerade zuträglich ist. Vor allem das Ende ist sehr schnell abzusehen, da man hier wohl den üblichen pseudodramatischen Schluss haben wollte, um Tiefgang zu simulieren. Überraschend gut geraten ist der Film jedoch von handwerklicher Seite, denn die Regie kann für TV-Verhältnisse überraschend stimmige Bilder kreieren, die über diverse inhaltliche Schwächen zumindest teilweise hinwegtrösten können.
Eine Stärke des Plots ist jedoch die Frage: Ist Demond wirklich unschuldig oder erliegt sein Vater einem schweren Irrglauben? In diesem Punkt kann der Film mit Neds Ermittlungen ein paar wirklich überraschende Wendungen präsentieren, was vor allem das letzte Drittel recht spannend macht, denn hier beschäftigt sich der Film zum größten Teil mit dieser Frage. Nebenbei wird noch auf Klassenunterschiede vor Gericht und derartige soziale Ungerechtigkeiten hingewiesen, auch wenn diese Kritik eher oberflächlich bleibt.
Bei den Hauptdarstellern hat man zwei ziemlich gute Schauspieler aus Hollywoods üblicher Nebendarstellerriege rekrutiert, die leider viel zu selten zeigen dürfen, was sie können. Vor allem David Caruso agiert für TV-Verhältnisse wirklich top und kann Charles Dutton übertrumpfen. Auch die restlichen Schauspieler sind auf ganz gutem TV-Niveau anzusiedeln.
So bleibt ein passabler TV-Thriller mit einigen spannenden und einigen sehr konventionellen Elementen sowie zwei ziemlich guten Hauptdarstellern.