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Wenn Weltstars wie Benedict Cumberbatch im Agentenkino mitwirken, verspricht das auf den ersten Blick eine kunterbunte James-Bond-Mischung, die aus dem Kalten Krieg ein hitziges Actionspektakel machen könnte. Beruhend auf einigen wahren Fakten, entscheidet sich Regisseur Dominic Coole für die nüchterne und ruhige Herangehensweise, was Fluch und Segen zugleich darstellt.

August 1960: Der Londoner Geschäftsmann Greville (Cumberbatch) wird von den westlichen Geheimdiensten MI6 und CIA auserkoren, als Kurier in Moskau tätig zu werden. Sein Kontaktmann Oleg (Merab Ninidze) versorgt ihn mit Informationen, während beide Gefahr laufen, dass ihre Tarnung vom KGB entdeckt wird…

Aufgrund der überzeugenden Settings gelingt die Zeitreise umgehend, denn weder Bauten, noch Fahrzeuge, Kleidung und Frisuren lassen einen anderen Schluss zu, als sich inmitten der Sechziger zu befinden, während JFK ab und an per Originalansprache eingeblendet wird.
Hauptfigur ist Greville, ein unscheinbarer Typ mit leichtem Alkoholproblem, Frau und Sohn, der sich in Moskau möglichst authentisch (also wie immer) verhalten soll. Viel erfährt man ansonsten nicht von ihm und auch Oleg, der in höherer politischer Position unterwegs ist, lässt außer einem vagen, familiären Hintergrund nichts weiter einfließen, was die Angelegenheit besonders in der Anfangsphase sehr trocken und beinahe langweilig erscheinen lässt.

Die Erzählung positioniert sich allerdings recht eindeutig, was durch die unterschiedliche Farbgebung als auch durch die Darstellung sowjetischer Politiker untermauert wird, die mindestens bösartig bis dämonisch erscheinen. Indes wird in London Twist getanzt, ordentlich gebechert wird allerdings überall und jeder Raum erscheint verqualmt bis zum Umfallen. Woraus der Stoff letztlich seine Spannung bezieht, ist das allgegenwärtige Misstrauen, denn Grevilles Frau weiß nichts von den genauen Tätigkeiten ihres Mannes, der wiederum in Moskau hinter jeder Putzfrau, jedem Restaurantgast einen feindlichen Agenten vermuten muss.

Etwas eindringlicher gerät der Stoff in den letzten 30 Minuten, als etwa „Schwanensee“ im Bolschoi-Theater zu aussagekräftigen Reaktionen der beiden Agenten führt und eine letzte Begegnung genau den emotionalen Schub bringt, den es bereits im Vorfeld benötigt hätte, um die Intensität ein wenig anzuheizen. Dem Score, über weite Teile im ¾ Takt gehalten, gelingt dies mit einigen markanten Themen deutlich besser.

Trotz einem gewohnt souverän auftretenden Cumberbatch, der primär im letzten Drittel auftrumpfen kann und einem ebenfalls solide performenden Ninidze, bleiben die Protagonisten zu unnahbar, um das Mitfiebern innerhalb der politisch brisanten Situation angemessen zu ermöglichen. Es gibt kaum mitreißende Momente, nur selten überträgt sich eine gewisse Dringlichkeit und zu wenig packt der Stoff auf emotionaler Ebene.
Im Hinblick auf die historischen Fakten schon beinahe eine verpasste Chance.
5,5 von 10

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