Julia Roberts spielt das Dienstmädchen von Doktor Jekyll, gespielt von John Malkovich, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Doch dann taucht eines Tages der Assistent des Doktors, Edward Hyde, auch von Malkovich gespielt, auf und kennt ihr Geheimnis, dass sie nur Jekyll anvertraut hatte. Schließlich findet das Dienstmädchen heraus, dass es sich bei Hyde um das bösartige Ego ihres Arbeitgebers handelt.
Dr. Jeckyll und Mr. Hide, wer kennt die Geschichte nicht? Der Stoff wurde bereits dutzendfach verfilmt (Ich habe allein bei Wikipedia 17 gezählt) und so gab es im Prinzip zwei Möglichkeiten für die Filmemacher, entweder man verfilmt die Materie wie schon dutzende andere vorher und dreht so ein nostalgisches Hommage an alte Horror-Zeiten, oder man lässt sich etwas neues Einfallen, nimmt den Stoff als Grundlage und ändert die Geschichte ab. Man hat sich dafür entschieden den Stoff abzuändern und erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Haushälterin Mary Reilly. Damit wird die Story, die eigentlich sowieso schon jeder kennt aus einem anderen Blickwinkel erzählt und, da eine komplett neue Hauptfigur in die Handlung integriert ist, ist sogar die eine oder andere Überraschung vorhanden, die man sicherlich nicht erreicht hätte, wenn man sich genau an den Stoff gehalten hätte. Die Charakterkonstruktion von Jekyll und Hide ist dabei ganz gut gelungen, zumal man den Film aus der Sicht einer außenstehenden Person sieht und so eine gewisse Distanz zum Stoff bekommt. Die Hauptfigur ist ebenfalls sauber konstruiert und die Handlung hat kaum Schwachstellen, außer vielleicht, dass sie stellenweise ein bisschen Leerlauf produziert.
Das große Problem des Films ist jedoch das, was Stephen Frears daraus macht. Zunächst einmal ist es überaus konsequent, auf größere Splatter-Szenen und Spezial-Effekte zu verzichten, obwohl sich diese eigentlich besser verkaufen. Er versucht seinen Film stattdessen kühl und distanziert wirken zu lassen, und baut nicht einmal größere Musik- bzw. Ton-Effekte ein, um eine gespannte Atmosphäre zu erzeugen. Er lässt den ordentlichen Darstellern viel Raum und hält das Tempo recht niedrig und liefert so einen der stilvollsten Horror-Filme seit Langem. Aber ohne Ton-Effekte und mit dem langsamen Erzähltempo ist der Film leider schlicht langweilig und die kühlen Bilder, die Frears verwendet, können nicht einmal ansatzweise eine Atmosphäre aufbauen und lassen den Film zu allem Überfluss auch noch distanziert wirken. Bei dieser, wirklich unglaublich sterilen Inszenierung geht einem als Zuschauer jeder Bezug zum Film verloren und die Langweile ist vorprogrammiert, nicht umsonst spielte der Film bei einem Budget von 40 Millionen Dollar nur 6 Millionen ein. Bei dieser distanzierten und grauen Inszenierung kann er nicht ein einziges Mal schocken, kein bisschen Spannung und keinen Ansatz von Dramatik aufbauen und so scheitert das Werk kläglich.
Julia Roberts, die noch vor ihrem Oscar-Gewinn mit "Erin Brockovich" und vor ihrem Kult-Status noch relativ weit am Anfang ihrer Karriere steht, spielt die Rolle der Mary Reilly überzeugend, spielt aber kühl und distanziert, vermutlich, weil Frears es so sehen wollte. John Malkovich spielt ebenfalls unheimlich steril, fast als wenn er Theater spielen wollte und auch, wenn er damit recht charismatisch und stellenweise leicht furchterregend ist, kann auch er das Interesse des Zuschauers kaum noch auf sich ziehen. Glenn Close spielt ebenfalls sehr gefühlskalt.
Fazit:
Auch wenn die Story relativ gut geworden ist und die Geschichte des Dr. Jekyll und des Mr. Hide aus einer anderen, interessanten Perspektive erzählt wird, wirkt der Film so unheimlich steril, dass man als Zuschauer überhaupt keinen Zugang findet und das Werk von der ersten Minute an langweilt.
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