Review

Ein Remake von einem pornographisch angehauchtem "Exorzist" - Ripoff ist schon eine Unwahrscheinlichkeit für sich. Dass dann aber auch noch ein Regisseur mit Nachnamen Bianchi (hier Mario statt Andrea, nicht verwandt und / oder verschwägert) mit der Aufgabe betreut wird und dann obendrein noch mit Mariangela Giordano die Nonne aus dem Original verpflichtet ist schon mehr als ein verrückter Zufall. Und dennoch hat "Sexorgien im Satansschloss" mit "Malabimba - Komm und mach's mit mir" doch nicht due ausreichende Ähnlichkeit, um als Beweisstück A im Abklatschprozess herzuhalten: die Story wurde etwas abgeändert und somit einige überflüssige Familienmitglieder durften sich im Remake von der Bühne verabschieden, vor allem die unsichtbare, aber dennoch erst dem morschen Stammbaum der Adelssippe innewohnende und dann dem glühenden Schoß eines aufmüpfigen Backfisches lauernde Lucretia Borgia. Vorbei sind damit die Tage lustvoller Entblößungen und Pöbeleien wider der adeligen Verkommenheit, Schmier und Spannerei weichen hier Todesromantik und Sehnsucht einer Geisterdame, die nichtmals im Grabe ihre Schenkel geschlossen halten kann.

Jener Geist war zu Lebzeiten mit Antonio, dem Patriarschen der Familie Aguilar verheiratet. Der Choleriker und Sadist separierte Weib und Kind nur allzu gerne von der Außenwelt, aus krankhafter Angst, die überbordende Libido seiner angetrauten Gattin würde sie einst zum Fremdgang und damit Verlassen des Schlosses bewegen. Jene Libido treibt der Drecksack seiner holden Maid im Würgregriff mit dem letzten Atemzug auf, Töchterchen Miria, mitten in jugendlichen Leiden steckend, wird daraufhin depressiv - melancholisch, ist sie nun alleine im gothischen Microkosmos des Schlosses zwischen gruseligen Dienern und zugeknöpften Nonnen gefangen und verbringt ihr Leben im Wesentlichen in der Schwebe durch staubige, menschenleere Gänge.

Während kurz nach der Totenwache der Vater wieder von der Trauer genesen zu scheint (er pöbelt wie gewohnt wieder alles und jeden an, der ihn kritisch hinterfragt) bekommt Töchterchen Miria ausgerechnet beim abendlichen Masturbieren regelmäßigen Besuch der untoten Mutter, deren Leib zwar vergangen, aber deren Libido scheinbar umso unsterblicher ist. Während Butler Isidor beim Versuch, die Seele der Erbin mittels einer Mischung aus christlichem Volksglaubensgeschwurbel und Hausmannsvoodoo (bei dem er durchgehend dumm aus der Wäsche guckt!) durch gichtige Untotenhand verstirbt hat der Geist der vom Vater erwürgten Maria mit dem Rest der Bewohnerschaft andere Pläne, die vom Hausarzt einmal abgesehen allesamt auf erotische Weise entsorgt werden, bevor Mariechen in Mirias Leib wieder reinkarnieren und mit ihrer wahren Liebe - Nonne Sol - wiedervereinen darf. WIe im Original muss also einmal mehr handfester Sexorzismus betrieben werden, um die Tochter vor der Besessenheit zu retten.

Keine zerfetzten Puppen, kein durch die Schlossgänge gepöbelter Dirty Talk und erst recht keine Seance als Auslöser. Auch geschändete und zerfetzte Kuscheltiere sucht man als Fan des Originals vergeblich, diese Aspekte tauschte der andere Bianchi gegen eine Extraportion SInnlichkeit aus. Garniert wird das Ganze mit einer kräftigen Kelle voll Weichzeichner und schwupps sind Pfui und Hui zu etwas recht ansehlichem vereint, zumal die Kamera sich recht gut am Genrestandard arbeitet. Der Score zwischen Progrock und Requiem tut dabei sein Übriges und statt der "Hammer" - Momente des Originals blitzt hier sehr viel Franco auf (Jess, nicht der Diktator!), gelegentlich etwas Argento und Fulci. Obschon expliziter fällt der Sex hier etwas rarer gestreut aus und beim Aufbau der Atmosphäre lässt man sich mehr Zeit als im teilweise doch zu vorschnellen Original. Von Spannung im klassischen Sinne kann hier aber nicht die Rede sein. Aber wer erwartet das denn bitteschön auch bei einem Sexfilm, wo der Grusel nur Alibi ist?

Der Film ist halt eher jener Sorte, die man auf launigen Filmabenden mit seinen Kumpels als sexy Trashepisode zwischen zwei Streifen oder gar als Rausschmeißer einwirft, um das lästige Blut aus dem Hirn absickern zu lassen und Kopfschmerzen zu vermeiden. Wo jenes Blut hinsickert ist wiederrum eine andere Geschichte, die nicht hierhin gehört. Ob man sich jetzt den hier oder "Malabimba" zuführt hängt von der persönlichen Präferenz ab, wobei eine alte italienische Bauernweisheit Abhllfe schaffen kann: Willst du mit Kumpels saufend feixen kannst du zu Malabimba greifen, verlangt's nach Trauersex, barockem, so soll das Satansschloss euch locken. In beiden Fällen kann man sich an feinster italienischer Weirdness erfreuen. Also: viel Spaß beim Gruppenw...atching.





Details