Zwischen Helden und Hängern
Judd Apatows Komödien hatten schon öfters ernstere Untertöne,
selbst wenn er bisher natürlich trotzdem eher durch Lachen bezahlte die Löhne.
Und auch sein neuestes Mammutwerk „King of Staten Island“ kann sehr witzig sein,
doch ist er dennoch mehr denn je eher Sein als Schein.
Es geht um einen jungen Mann ohne Perspektive,
Chillen, Kiffen und Rumhängen war bisher seine Devise.
Sein Vater ist als Feuerwehrmann früh gestorben,
schert er sich nur wenig drum was kommen mag morgen.
Doch als ein unerwünschter neuer Partner seiner Mutter ihn rüttelt etwas wach,
macht sein eingeschlafenes Leben langsam doch wieder etwas Krach.
Zwischen „Beach Bum“ und Oscarmaterial,
zwischen schwerer Kost und lockerleicht bis genial.
Über Vaterfiguren und Vorbilder, über Lebenslust und Berufung,
gibt es hier zwischen bitterem Drama und lautem Lachen kaum sichtbare Abstufung.
Coole Tracks, hässliche Tattoos, Bill Burr ist’n Höhepunkt,
und Pete Davidson selbst den traurigsten Moment noch in ein Schmunzeln tunkt.
Sehr sensibel und dezent, weit weg von Kalendersprüchen über Glück und das Leben,
hat dieser kaum kategorisierbare Querschläger eine Menge zu geben.
Davon sollte Apatow machen in Zukunft mehr,
gefällt mir diese ernste Entspanntheit durchgehend sehr.
Fazit: Coming-(Late-)of-Age-Dramödie über Verlust, Stonertum, Erbe, Familie, Selbstfindung und Selbstliebe. Ein Außenseiter-NYC-Rohdiamant. Fußstapfen und Feuerwehrehrung. Etwas ausufernd - aber lohnenswert!