Review
von Leimbacher-Mario
Spiegelreflexramadan
Eine Frau mit Agoraphobie, also der Angst die eigenen vier Wände zu verlassen, hat offensichtlich psychische Macken, eine Scheidung hinter sich, eine mittelschwere Alkoholsucht und sieht dann auch noch anscheinend wie ihre Nachbarin gegenüber erstochen wird - doch da fangen die Probleme ihrer selbstauferlegten Quarantäne und Paranoia gerade erst an...
Netflixaufkauf. Buchverfilmung. Starvehikel. Hypetitel. Thrillerrohdiamant. Hitchcockgedächtnisduft. All das vereint „The Woman In The Window“ als einer der letzten von 20th Century Fox produzierten Filme. Und ist dennoch eine mittelschwere Enttäuschung. Trotz Stylespitzen, trotz großartiger Darsteller, trotz der immer interessanten Ausgangslage, trotz seiner legendären Vorbilder. Viele hatten sich hier wohl etwas wie „Gone Girl“ oder „The Woman On The Train“ meets „Rear Window“ (oder für die Jüngeren „Disturbia“) erhofft - bekommen haben wir meiner Meinung nach einen ziemlich zerschnittenen, hektischen und oberflächlichen Dramakrimi, ein Charakterstück ohne (eigenen) Charakter. Für Filmnerds gibt’s einige Anknüpfungspunkte, die Stars geben viel (wenn auch manchmal im Overacting), es gibt okaye audiovisuelle Spielereien und er ist zumindest nicht zu lang geraten. Doch das war's dann auch schon an aus den Fingern gezogenen positiven Aspekten. Böse gesagt ein schöner und wiedergekäuter Bildschirmschoner. Oder Nebenbeiläufer. Oder Mainstreamangsteinjäger. Oder Schlaftablette. Oder Blender. Nicht meins. Trotz akzeptabler B-Noten. Die Hauptfigur wirkt auch unfassbar wie vom Reißbrett. Einfach nicht gut genug. Umso mehr Zeit vergeht, desto strenger werde ich zu ihm. Hat er nicht anders verdient.
Fazit: ein Hitchcock-Throwback ohne Esprit. Oder mit zu viel davon. Wer weiß. Das Fenster zum Trost(preis). Gut gespielt, schnell inszeniert, fein bebildert, immer noch eingängige Ausgangslage und mit (zu) vielen Wendungen. Und dennoch: irgendwie fühlt sich das arg nach B-Ware an. Etwas durchgenudelt. In seinen schlechtesten Phasen fast parodistisch. Und gleichzeitig doch massiv stylisch. Definitiv kein Totalflop. Allein wegen Frau Adams. Bzw. allgemein der hochklassigen Besetzung. Eigentlich ein vollkommener Hit - der irgendwo die total falsche Abfahrt genommen hat. Aber er passt in die letzten Monate, gefühlt Jahre. Das Buch zu lesen ist wohl die deutlich bessere Alternative. Die Katze ist allerdings ein knuffiger Star.