Kein leichtes Schicksal hat die alleinstehende Anna Fox (Amy Adams): Die Kinderpsychologin leidet unter Platzangst, welche sie konstant daran hindert, ihre Wohnung zu verlassen. So kommt ihr eigener Psychotherapeut sie mehrmals pro Woche besuchen, ansonsten ist die Mittvierzigerin in ihrem mehrstöckigen Haus in einer besseren New Yorker Wohngegend völlig alleine, von einem Untermieter im Keller einmal abgesehen. Dieser David (Wyatt Russell), ein Musiker mit einem klischeehaft unstetem Lebenswandel, hilft ihr zwar ab und zu, muß sich aber mehr um seine eigenen Probleme kümmern. So sitzt Anna oft gedankenverloren in ihrem großen Wohnzimmer und blickt stundenlang auf das gegenüberliegende Haus, wo die dreiköpfige Familie Russell eingezogen ist. Deren halbwüchsiger Sohn Ethan (Fred Hechinger) läutet zwar einmal kurz bei ihr an, um die Russells mit einem Geschenk der Mutter als neue Nachbarn vorzustellen, doch Familienoberhaupt Alistair (Gary Oldman) scheint ein rechter Tyrann zu sein, der seinen verletzlich wirkenden Filius mit Härte erzieht - ein Umstand, der der empathischen Anna sofort auffällt. Kurz darauf erhält sie Besuch von Ethans Mutter (Julianne Moore) und versteht sich sofort prächtig mit der etwa gleichaltrigen Blondine, die den ganzen Abend über bleibt - bei einer Flasche Wein blüht Anna regelrecht auf und genießt die unerwartete Konversation. Als sie jedoch am nächsten Abend gewohnheitsmäßig wieder von ihrem Fenster zur nachbarlichen Wohnung hinüberspäht, sieht sie ihre Gesprächspartnerin offenbar in einem heftigen Streit, infolge dessen diese erstochen wird...
Allein die geschilderte Thematik mit der Beobachtung der Nachbarn läßt den geneigten Zuseher schnell auf ein Remake des Hitchcock-Klassikers Das Fenster zum Hof schließen, und die nachfolgende Handlung mit der eilig herbeigerufenen Polizei, die der vorgeblichen Mordzeugin genauso verständnislos wie die herbeizitierten Nachbarn gegenüberstehen, bestätigen dies auch schnell. Doch wie so oft erweist sich auch hier das Remake dem Original in jeglicher Hinsicht unterlegen, was weniger in der durchaus prominenten Besetzungliste begründet liegt als vielmehr in einem Drehbuch, das mit einem hanebüchenen Twist im letzten Filmdrittel besonders schlau auftreten will, dabei jedoch sämtliche Regeln der Thriller-Logik durchkreuzt und den Film schlußendlich abstürzen läßt.
Was zu Beginn nämlich noch einigermaßen vielversprechend beginnt (Amy Adams gelingt es trefflich, ihren Filmcharakter als verhärmte, vom Leben schwer gebeutelte Frau darzustellen), wird mit zunehmender Dauer eher langweilig: Gary Oldman als Choleriker hat - als Hauptverdächtiger aus Sicht der Zuschauer - einfach zu wenig Screentime, während sein etwas seltsamer Film-Sohn Ethan viel zu lange belangloses Zeug reden darf. Die Idee, eine seitens der Ordnungshüter voll akkreditierte neue blonde Nachbarin einzuführen (aber eben nicht die, welche einen ganzen Abend lang bei Anna war) lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums gleichermaßen auf diese beiden Frauen, von denen eine wohl eine Hochstaplerin sein muß, enttäuscht diese Erwartungshaltung dann jedoch auf ganzer Linie, da beide kaum mehr auftreten und stattdessen erst einmal tränentreibend in Amys Vergangenheit rückgeblendet wird, was die Geschichte nicht einen Millimeter voranbringt. Die nunmehrige Absicht des Drehbuchs, den Geisteszustand der Hauptdarstellerin (die sich beispielsweise nicht mehr daran erinnert, daß ihre Familie bei einem Autounfall gestorben ist) in Frage zu stellen, verfängt schlichtweg nicht: Warum sollte sich Anna all dies eingebildet haben? Und dann kommt jene Wendung, die die Regie wohl für besonders tricky hielt, die in Wirklichkeit aber den ganzen Film verdirbt.
Kamera- und schnitttechnisch gibt es nichts auszusetzen, an mancher Stelle werden Einstellungen aus dem großen Vorbild zitiert und ein pseudo-dramatischer Kampf auf dem Dach des Hauses, natürlich in strömendem Regen, fehlt ebensowenig - doch Letzterer fällt genauso unglaubwürdig aus wie die ganze Story an sich. Am Ende also schlichtweg ärgerlich, denn aus dem Stoff hätte man durchaus mehr machen können: 4 Punkte.