Die gute Nachricht zuerst: Castellaris Fortsetzung seines The Riffs - Die Gewalt sind wir ist tatsächlich besser als sein Vorgänger, sogar um Klassen.
Das macht ihn noch nicht zu einem Reisser vor dem Herrn oder einen wirklich überzeugenden Film, aber die Qualitätssteigerung wird freudig und leicht überraschend bemerkt.
Ansonsten schliesst das Sequel recht direkt an seinen Vorgänger an, Bezüge zum Erstling halten sich aber in Grenzen. Eine präzise Zeitangabe findet diesmal nicht statt ; dafür bewegt man sich dankenswerterweise aus der trostlosen Kulisse der Bronx heraus und erweitert damit nicht nur den geographischen Horizont.
Der flotte Einstieg versetzt uns direkt in eine Säuberungsaktion der Disinfestation Annihilation Squad [ DAS ] unter Leitung von Lloyd Wrangler [ Henry Silva ], der als private Polizei von oben den Auftrag bekam, die Bronx von ihren Bewohnern freizulegen.
Der heruntergekommene Stadtteil steht als Hindernis für ein geplantes neues New York, soll komplett eingestampft und modernisiert wieder aufgebaut werden. Die Regierung sichert den übrig gebliebenen Anwohnern neue Häuser in New Mexico zu, in der Realität sieht das sicherlich etwas anders aus; bereits die "friedliche und einverständliche Umsiedelung" artet bei geringsten Widerständen in Mord und Totschlag von Seiten der Exekutive aus.
Anhand dieses Storyelements vollzieht sich das erste Drittel; die erneuerten Komponenten werden innerhalb der Umsetzung dieses Geschehens eingeführt und vorgestellt. Die Plotentwicklung bleibt zwar schnell stehen, dafür ist aber noch genug filmischer Drive vorhanden, um anhand der dargebotenen Aussenaktionen eine klare Situation zu setzen und die ersten Schwächen flott zu überspielen.
Der Trashgehalt wird mit dem Reanimieren seines gleichnamigen Hauptdarstellers [ Mark Gregory ] nämlich auch anfangs forciert; dieser holt erstmal mit einen simplen Sechsschußrevolver doch tatsächlich einen Hubschrauber von Himmel, um dann heim zu Ma und Pa Trash zu düsen.
Von denen war im Erstling nichts zu hören oder gar zu sehen; hierbei fallen sie vor allem dadurch auf, dass sie ein Riesenposter ihres Sohnes an der Wand haben?!. Ansonsten schaffen sie es eh nur zwei Minuten in den Film, um dann schnell von den Rollkommandos gegrillt zu werden und als Motivation fürs Trash' folgendes Verhalten zu gelten. Man will ja kein Diskurs eröffnen.
Die übrig gebliebenen Gangmitglieder haben sich zusammengeschlossen und in den Untergrund der Abwasserkanäle verbarrikadiert und fristen unter der Führung von Dablone [ Antonio Sabato ] ein noch kümmerlicheres Dasein. Um die Situation wieder in Griff zu bekommen, beschliessen Trash, der Einzelkämpfer Strike [ Giancarlo Prete ] und die wahrheitssuchende Reporterin Moon Grey [ Valeria D'Obici ], sich nach Manhattan zu begeben und Präsident Clarke [ Ennio Girolami ], Vorstand der verantwortlichen General Constructions Corporation zu entführen.
Die Kriminellen sind hier wieder eindeutig auf offizieller Seite auszumachen, die ihre selbst als angemessen definierte Vorstellung von öffentlicher Ordnung gemeinsam mit der Polizei durchsetzen, ohne jedwege Beachtung von Liberalismus auferlegten Schranken. Meinungs- und Pressefreiheit werden unterbunden, menschliche Subjekte zugunsten von Objekten geopfert und ausgeschaltet.
Auf der Nutzenseite steht schliesslich ein New York der Zukunft, ein Achtes Weltwunder, die größte Leistung des Menschen aller Zeiten. Die Stadt der Superlative soll die sozialen Missstände wie Verelendung und Vereinsamung ausschliessen. Dass Kriminalität sich nicht so einfach abschieben lässt und die Gefahrenabwehr durch Verbannung keine Alternative ist, ist eine allgemeingültige Kenntnis und steht in jedem Lehrbuch; aber man kann die Logik nachvollziehen, dass ein totalitäres System leicht Leute verschwinden lässt, die offiziell gar nicht existieren.
Etwaige Stupiditäten sind also noch vorhanden, aber nicht in dem strohdummen Maße, dass man sich empfindlich daran stört.
Castellari vermeidet dann auch vor allem das unerträgliche Posing der Akteure sowie ihre spätpubertären Anwandelungen, die einen gehörigen Klecks Kitsch und Schmonzette über die ausgebombte Gegend gepinselt haben. Selbst Gregory macht hierbei eine viel bessere Figur, da er mehr interagiert statt die Brust zu schwellen und auf den Ozean zu starren. Ein guter Darsteller wird noch lange nicht draus, aber die positivere Erscheinung besonders seines Outfits schlägt sich auch zugute. Die augen - und unterleibsschmerzende Jeans wurde dankenswerterweise mit einer etwas weiteren Armeehose ausgewechselt; der aufgepumte Oberkörper bleibt über einen Grossteil auch bedeckt. Auch die anderen Akteure bemühen sich, speziell Silva hat zwar wenig zu tun, aber passt natürlich exakt in die geschriebene Rolle.
Weiterhin bemüht man sich bis auf einige Ausrutscher um das Vermeiden von inszenatorischen Witzen zugunsten der Ernsthaftigkeit, was dem Film neben dem oftmaligen Locationwechsel nach Manhattan anfangs ein gutes Antriebsmoment verleiht.
Leider fungiert so was nicht als filmisches Perpetuum Mobile. Auch hier machen sich irgendwann Ermüdungserscheinungen breit, die in einer ständigen Ballerei noch verstärkt werden, die im Prequel versteckten Waffen hat man scheinbar wieder gefunden.
Action und Bodycount sind deswegen anteil- und auch grössenmässig viel höher; verstärkte Stuntarbeit und Materialeinsatz lassen einige gute Effect Shots und zeitlupenbegründete Akzentuierungen hervorkommen.
Alles in allem eine Fortsetzung, die mit einer gescheiteren Umsetzung und etwas mehr Ideen vor allem in der zweiten Hälfte vielleicht wirklich was hätte werden können. Ansätze sind aber offensichtlich vorhanden und Mühe hat man sich auch soweit gegeben; ist registriert.
5,5/10