„Unsere Spezialität ist der Terror!“
1983, ein Jahr nach dem Italo-Endzeit-Actioner „The Riffs – Die Gewalt sind wir“, brachte man die Fortsetzung „The Riffs II – Flucht aus der Bronx“, ebenfalls unter der Regie des italienischen Action-Spezis Enzo G. Castellaris gedreht, in die Kinos. Der Konzern „General Constructions“ plant zusammen mit der Politik, die Bronx für ein gigantisches Bauprojekt komplett dem Erdboden gleichzumachen. Während die berüchtigten Straßengangs sich mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes in den Untergrund zurückgezogen haben – sie haben es sich in der Kanalisation eingerichtet –, finden an der Oberfläche radikale „Räumungsaktionen“ statt: Mit Flammenwerfern geht man gegen renitente Bewohner vor, bis es auch Trashs Eltern erwischt (Trash senior: Romano Puppo, „Fireflash – Der Tag nach dem Ende“). Trash, Anführer der „Riffs“, die nach den Ereignissen des ersten Teils fast vollständig dahingerafft wurden, lässt das nicht auf sich sitzen und erhält Hilfe von der Journalistin Moon Grey (Valeria D'Obici, „Midnight Horror“), die die Geschehnisse kritisch beobachtet, entsprechend berichtet und somit Politik und Wirtschaft ein Dorn im Auge ist. Man heckt einen Plan aus und verhandelt mit den Gruppierungen des Untergrunds...
Auch für „Riffs II“ bedienen sich Castellari und sein Team der David-gegen-Goliath-Thematik und erklären sich auf Selbstverteidigung verstehende, wüste Banden zur eigentlichen moralischen Instanz in einer präapokalyptischen Welt, in der Politik und Wirtschaft über Leichen gehend im Sinne des Kapitals wüten. Das heutzutage auch hierzulande ganz real existierende Problem der Gentrifiizierung – der Umwandlung ganzer Stadtteile in Einzugsgebiete für wohlhabendere Schichten und der damit einhergehenden Vertreibung der Bewohner – wird zum Aufhänger für einen hochexploitativen Action-Reißer, der vollkommen überspitzt jene Vorgänge auf die Leinwand bringt. Wenn man sich kritischer Zeitgenossen entledigt, werden keinerlei Gefangene gemacht; wer es wagt, die Stimme zu erheben oder Widerstand zu leisten, muss mit seinem baldigen Ableben rechnen. Die „General Constructions“ entsendet einen Herrn namens Floyd Wrangler, der noch einmal eine ganze Ecke fieser ist als „Hammer“ aus dem ersten Teil – eine Paraderolle für „Eisengesicht“ Henry Silva („Ocean’s Eleven“), der einmal mehr als Bösewicht ganz in seinem Element ist. Als Wrangler wird er beauftragt, die Räumung der Bronx voranzutreiben und sich nicht in die Suppe spucken zu lassen. Aus diesem Grunde verbündet sich Trash mit dem Bandenführer Dablone (Antonio Sabato, „Blutiger Schweiß“) und entführt zusammen mit dem Sprengstoffexperten Stryke (Giancarlo Prete, „Tag des Falken“) und dessen aufgeweckten Sohnemann (herzallerliebst: der achtjährige Alessandro Prete) den Präsidenten der „General Constructions“.
„Riffs II“ verläuft geradliniger und überraschungsärmer als sein Vorgänger, ist dafür aber unfassbar brutal und actionintensiv. Was mir bei meiner lange zurückliegenden Erstsichtung noch wie eine relativ stumpfe Ballerorgie erschien, entfaltete während meiner Zweitsichtung auf großer Leinwand seine ganze Qualität als Action-Feuerwerk mit dem gewissen Etwas, nämlich einer unheimlichen Konsequenz bei der Zurschaustellung äußerster Brutalität und Menschenverachtung in Bezug auf das Vorgehen bei der „Stadtteilbereinigung“. Ständig werden Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt, in die Luft gejagt oder erschossen; nicht minder zimperlich setzt sich der Widerstand zur Wehr, die Verluste auf beiden Seiten sind enorm. Endgültig werden die Bronx-Bewohner nicht mehr als Menschen betrachtet, sondern als lästiges Ungeziefer, das beseitigt werden muss. Die Kamera hält auf all das voll drauf, manch kruder Splattereffekt ist die blutige Konsequenz. Unfreiwillig komisch wird es hin und wieder allerdings auch, beispielsweise wenn Helikopter durch simple Revolverschüsse zum Explodieren gebracht werden. Auch hat es manch Dialog in sich. All das verhindert, dass man „Riffs II“ allzu ernstnehmen kann und verleiht dem Treiben einen comichaft-übertriebenen Anstrich. Mark Gregory hat diesmal weniger Leinwandpräsenz, die Geschichte wurde weniger auf seine Rolle aufgebaut. Nichtsdestotrotz sorgt er für einen großen Wiedererkennungseffekt, auch wenn er die Überlegenheit ausstrahlende Aura des ersten Teils etwas eingebüßt hat.
Die unheimlich abgewrackten Kulissen des zerstörten Stadtbilds eignen sich hervorragend als Schauplatz für das Spektakel und sind in Ihrer Omnipräsenz eines der wichtigsten Stilmittel Castellaris, aus denen er eine Menge herausholt. Als man gegen Ende des Films irgendwann regelrecht abgestumpft ob der kriegerischen Szenen ist, läutet man zum richtigen Zeitpunkt das Finale ein, versäumte es aber leider, ein den Abläufen gerecht werdendes, spektakuläres Ende zu inszenieren. Es wirkt fast, als hätte man selbst nicht mehr so recht gewusst, wie man fürs finale Duell noch einen draufsetzen könnte und lässt Mr. Wrangler über die Klippe springen, als wäre er lediglich einer von vielen gewesen. Das wirkt ziemlich einfallslos und ist ein wenig enttäuschend für einen Film, der generell überdurchschnittliche Actionkost unter zumindest hinsichtlich der Geschichte weitestgehendem Verzicht auf typische US-Action-Klischees bietet, dem es aber verglichen mit dem Erstling auch etwas an Charme mangelt.