"Biker gegen Gentrifizierung" ist leider kein gemeinnütziger Verein, bringt aber die Prämisse dieses 83er Bronx Warriors - Sequels auf den Punkt. Auch, wenn der Film eher vor motorisierten oder anderweitigen Wegelagerern statt seriösen Kapitalismusgegnern wimmelt und die angeschnittene Sozialkritik nach 5 Filmminuten gnadenlos absäuft habe ich mich kurz nach Sichtung von Teil 1 (dazu mehr an derer Stelle) diebischst auf Teil 2 gefreut. Aber wen wundert das bei einer Reihe, deren Held "Trash" heißt? Das kann ja nur gut werden! Gut, nicht ganz wie Teil 1, aber immer noch in der oberen Italoliga.
Trash, der Muskelmann und Pudelperückenträger aus Teil 1, hat sich mit den letzten überlebenden Gangern der Bronx noch tiefer in den Untergrund verkrümelt als noch im ersten Teil und bewohnt mit den kümmerlichen Resten einst verfeindeter Banden in den aufgegebenen U - bahnschächten und Abwasserkanälen der Stadt. Die Zivilisation hat Kapitalismus und Waffengewalt sei Dank mit großem Fuß und ebensolchem Schnätterrettäng erneuten Einzug in die Bronx gehalten - wer hätte auch ahnen können, dass die gierigen Konzernsäcke aus dem ersten Teil auf die Idee kommen, die Mittel ihrer erklärten Feinde gegen sie selbst zu richten? Unverschämt! Dass sich unter den Opfern der jüngsten Räumungen auch Trashs geliebte Eltern befinden (hier als Vater: Romano Puppo in einer viel zu kurzen Rolle!) ist da nur noch die Spitze des qualmenden Scheißhaufens, den die Bonzen den Einheimischen vor die Tür kacken.
Den humanitären PR - Schmuh und das Gelaber von wegen Seucheneindämmung wollen weder die Bronxbewohner noch Journalistin Moon so recht glauben, weswegen der gemeinsame Umsturz samt Umverteilung geplant wird, mitsamt Präsidentenentführung a la "Escape from New York", der ja schon für Teil 1 Pate stand. Arschaufriss ist also garantiert.
Und wie! Helicopter werden per Revolverbeschuss aus dem Himmel befördert, minderjährige Kindergartenguerillias sprengen feindliches Kroppzeugs in die Luft und künstliche Schädel werden mit Gewehrgriffen eingetrümmert, bis das Gummi nachgibt und der Ketchup tropft. Was dann noch halbtod durch den Bildkader kreucht muss sich vor fliegendem Blei in Sicherheit bringen oder wird gleich per Flammenwerfer aus dem Leben gegrillt. Beim Hochtreiben des Bodycounts wird dabei weder auf die castellaritypischen Zeitlupen noch auf einen knackigen Soundtrack verzichtet, der im Vergleich zu Teil 1 eher dezent daher kommt, dem Film aber dennoch den nötigen Pathos verleiht, den ein guter 80er - Actioner alla Italia braucht: Das knarzig - tragische Main Theme lässt selbst mich als Pazifisten motorradhelmtragenden Schurken in silbernen Maleranzügen die Fresse einschlagen wollen!
Apropos Schurken: Wie auch in Teil 1, der mit Vic Morrow einen namenhaften Baddie ins Rennen gegen die Rocker schickte, bekommen wir hier einen berühmten Gegenspieler mit Henry FUCKING! Silva! Eine Tatsache, die ich beim letzten Mal, als ich den Film bewusst sah irgendwie verdrängt habe und mich vor Freude jubeln ließ, ist Herr Silva seit seinem Auftritt in "Der Berserker" einer meiner persönlichen Stars des Eurokinos. Ebenso darf man sich hier über Westernveteran Antonio Sabato an Trashs Seite freuen, der wiederum standesgemäß von Mark Gregory verkörpert wird, einem Mann, den man zurecht als einen heimlichen Star des Genres betrachten kann. Einige ehemalige Gangmitglieder haben es zudem als Cameos in den Film geschafft. Auch mal schön, dass ein Sequel zur Abwechslung mal nicht auf die Geschehnisse seines Vorgängers scheißt und im Italokino jener Zeit eine Seltenheit, zu der mir spontan kein Gegenbeispiel einfällt.
Ich habe diesen Film trotz des sichtbar geringen Budgets und jeder Menge Kulissenrecycling (ich bin mir sicher, viele der gezeigten Häuserruinen hier schon mal gesehen zu haben - in Teil 1 zum Beispiel) immer sehr genossen, zumal er die seltene Gelegenheit bot, Mark Gregory in Action zu sehen. Dem Mann war zu Lebzeiten eine recht kurze Schauspielkarriere beschert, aus der er letztlich selbst ausstieg, um eine Karriere als Zeichner einzuschlagen und die 2013 zusammen mit seinem Leben abrupt durch Suizid endete. Ein trauriges Ende für einen von mir sehr geschätzten, wenn auch selten gesichteten italienischen Kinorecken, der mit seiner irrwitzigen Figur, seinem steifen Gang und seinem für seine Statur viel zu bübischem Gesicht einen Platz in meinen Herzen einnahm, der nur den unperfekten und damit authentischsten Schauspielern gebührt, direkt neben Bruce Campbell, meiner anderen großen Ikone aus dem Abseits.
Wo auch immer du gerade bist, Mark, hoffentlich geht es dir dort gut. Und denk immer dran, dass wir hier unten dich immer noch lieben. Man kann B - Movie - Star halt nicht ohne Moviestar schreiben.