Review

Familiäre Magie


Relativ wenig beworben (erst recht im Vergleich zu einem „Frozen II“), keine Fortsetzung oder ein bekanntes Franchise, von vielen schon vor Release als Pixar-B-Ware abgetan, deutlich im Schatten vom noch kommenden „Soul“, dann kam auch noch fies Corona reingegrätscht und Disney hält es nicht für nötig, ihn auch hierzulande/in Europa schon gemütlich auf ihrer Streamingplattform bereitzustellen - ja, „Onward“, hatte es nicht leicht, ein Hit sieht anders aus, viele Steine der Welt wurden ihm in den Weg gelegt. Warum das animierte Abenteuer dennoch das Zeug zum schleichenden Publikumsliebling hat, warum die Magie gerade gegen Ende doch deutlich auf mich übersprang und warum dieses schwungvoll-nostalgische Abenteuer als Geheimtipp und nie zu kitschiger Tränendrücker für mich der nahezu perfekte Wiedereinstieg ins (hoffentlich langsam wieder anlaufende) Kinojahr war? Liest du hier! 

„Onward“ spielt (ähnlich wie etwa „Bright“) in einer menschenfreien, magischen Welt voller Einhörner, Feen, Elfen, Trollen usw. - nur haben es sich die Fabelwesen mittlerweile derart gemütlich mit moderner Technik und Wissenschaft gemacht, dass „Magie“ ein alter Hut, fast schon eher eine missachtete Legende ist. Nun folgen wir zwei unterschiedlichen Brüdern, deren Vater schon sehr früh gestorben ist, auf ein Quest quer durch diese bunte Landschaft - und zwar mit ihrem halben (!) Vater, den ein fehlgeschlagener Zauberspruch für 24 Stunden zurückholen sollte. Nur eben im Idealfall nicht nur von der Hüfte abwärts... „Onward“ sieht unfassbar gut aus. Selbst für Pixarverhältnisse. Und das will was heißen. Die Farbverläufe, die Leichteffekte, die Mimik, die Details - ich konnte mich (gerade in ruhigeren Phasen, in der langsamen ersten Hälfte) kaum satt sehen und gut von ein paar Stotterern ablenken. Die Fallen und Herausforderungen sind nett, wenn auch jetzt nichts davon unendlich lange hängen bleibt, der Score ist imposant und die Synchronsprecher sind (egal ob auf deutsch oder im O-Ton) sensationell und sympathisch - selbst wenn Letzteres nicht immer auf ihre Charaktere zutrifft, die durchaus mal nerven können und (realistisch) alles andere als perfekt sind. Ärgerlich ist auch, dass die Hauptfigur optisch eigentlich nur ein blauer, spitzohriger Linguini (aus „Ratatouille“) ist. Doch dann kommt das Finale, die Aussage, das Herz und der Sinn der ganzen Reise ins Spiel - und „Onward“ wird für mich von einem guten Film zu einem sehr guten. Mit Seele, mit Verstand, mit Reife und mit viel Wiederspielwert. Toll. Eine runde Sache, die hintenraus die edle Ernte und Angel sauber und vorbildlich einfährt und einmal mehr beweist, warum Pixar so schnell keiner etwas vormacht. 

Fazit: für Animations-, Fantasy- und Abenteuerfans, für Söhne, Väter und (besonders) Brüder - „Onward“ ist eine wundervolle Reise, emotional und simpel, nachhaltig und hübsch. Vielleicht kein direkter Pixarklassiker - aber eine große Freude, die mich berührt hat, die ich mir sicher gerne bald nochmal ansehe. Jetzt schon unterschätzt?! 

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