Die unheimlich beliebte Comicvorlage kenne ich nicht, doch von Freunden hört man nur Lobgesänge über diese. Über den Film weniger, doch dazu kann ich keine Stellung nehmen, bei mir wird er losgelöst von seiner Vorlage betrachtet. Ich habe nur gehört, dass im literarischen Pendant das Ende wesentlich dunkler in die Magengrube krachen soll und der zeitgenössisch-feministische Anteil deutlich weniger ausgeprägt sein soll. Für meine Wertung spielt das wie gesagt kaum eine Rolle, selbst wenn sowohl das recht sonnige Ende als auch der extrem auf die Nase peitschende, „woke“ Habitus auch für mich, ohne Vorkenntnisse, sicher nicht zu den Stärken dieses animierten Epos von DC gehört, um es mal freundlich auszudrücken...
„Red Son“ dreht die übliche Superman-Grundgeschichte auf links und malt sie kommunistisch rot - Superman kam scheinbar in der Sowjetunion runter, ist nun überzeugter Kommunist und Russe, samt Akzent und Weltbild, was natürlich die Geschichte, das gesamte Machtverhältnis und Universum mächtig durchrüttelt... So aufbrausend-toll der Score ist, so ernüchternd ist der flache, wenig spektakuläre Zeichenstil. Doch seine Stärken hat diese äußerst interessante Superman-Variante eh unter der Oberfläche. Für nur knapp 80 Minuten Laufzeit wird eine enorm ambitionierte, oft sich fast etwas überschlagende, mehrere Jahrzehnte umfassende Geschichte erzählt, die von Supes Kindheit über eine famose, hasserfüllte Ruski-Batman-Version, dem gewieften Brainiac, einer von Männern frustrierten Wonder Woman bis hin zum Zusammenschluss mit dem amerikanischen Erzfeind Lex Luthor (der hier mit Lois glücklich liiert ist!) reicht. Langweilig wird’s hier sicher nicht! Wie gesagt, eher ist das zu viel des Guten und für einzelne, markante Ideen und Erzählstränge wird sich nicht genug Zeit genommen. Dennoch: das Szenario und die Entwicklungen sind faszinierend, am Ende steht eine versöhnliche Nähe und Einsicht der beiden Parteien, die genauso wenig utopisch wie realistisch erscheint. „Superman: Red Son“ ist definitiv ein brisantes, wenn auch kein brillantes Abenteuer des Mann aus Stahl, das ihm und der Comicwelt erstaunliche, neue Facetten abgewinnen kann, über das geredet werden will. Selbst wenn in dieser bewegten Version davon fast keine atmen und wirken darf...
Fazit: nicht die hübschesten Animationen und sicher oft etwas gehetzt, ungeschickt und grob, unter der kurzen Laufzeit leidend, zu viele Ideen und Ansätze für zu wenig Platz - doch Epik, Emotionen und Kerngedanken spielen ganz oben mit. Massiv! Sicher eines der besseren animierten DC-Abenteuer.