Was wäre, wenn der Kleine vom Planeten Krypton damals nicht in den USA, sondern in der Sowjetunion gelandet, dort herangewachsen und der Held der Nation geworden wäre? Mit einer möglichen Antwort auf diese Fragen beschäftigt sich der Animationsfilm „Red Son“ nach der Comicvorlage von Mark Millar.
Dabei weicht die animierte Version inhaltlich mal weniger, mal mehr ab. Gerade beim Ende hat man sich doch merklich von der Vorlage entfernt, so ist es halt verträglicher. Überhaupt birgt die Prämisse durchaus politischen Sprengstoff, diese Umkehr der Ideale und die Existenz einer der bekanntesten Superhelden auf der anderen Seite. Allzu viel macht „Red Son“ daraus aber nicht.
Ein paar Sprünge durch die Weltgeschichte, das erwartbare Thema der Aufrüstung (nur hier eben biologisch), im Endeffekt aber eine verfilmte wiederkehrende gegenseitige Provokation der beiden Parteien, die irgendwann eskalieren muss. Erzählerisch ist das nicht allzu clever, sorgt aber meist für Kurzweil. Das Einbinden weiterer Figuren aus dem DC-Universum bringt hier und da interessante Impulse und manchmal ist der Film sogar relativ konsequent. Hinzu kommt, dass man hier ziemlich humorbefreit zu Werke geht. Es gibt keinen lustigen Sidekick, vielleicht mal ein paar anzügliche Anspielungen, sonst zieht man das Thema dankenswerterweise recht ernst durch.
Allerdings auch meist einseitig. Natürlich liegt der Hauptfokus auf Supermans Treiben im Osten und es ist ja schön, dass er schockiert auf den Umgang mit politisch Verfolgten reagiert. Das lässt sich in diesem Szenario leicht unterbringen, wobei es ja nicht so ist, als würden sich da in des Helden eigentlicher Heimat nicht auch genug Themen anbieten, die aber nicht so angepackt werden. Aber ich schweife ab.
Wirklich störend fallen da andere Dinge auf. Der Akzent, der bei einer Unterhaltung in der Muttersprache der Figuren keinen Sinn ergibt oder das doch recht plumpe Motiv auf seinem Anzug. Subtil ist das hier eher nicht, trotz einer gewollten Ambivalenz. Und doch löst sich alles recht klar und geradlinig auf, sodass hier letztlich einiges an Potenzial liegen bleibt.
Visuell ist das Ganze durchaus okay, wenn auch DC Animationsstandardware. In seinen knapp neunzig Minuten ist mancher Weg der Handlung redundant und überraschend kommt hier auch nichts. Der Film lebt letztlich von der interessanten Grundidee und manch ebensolcher Beobachtung. Gerade das Thema der Macht und wie sie gedeiht – abhängig vom politischen System, welches sie umgibt. Die Vorstellungen, Methoden und Folgen, geprägt durch die Sozialisation. Geht nicht tief in die Materie, ist unterm Strich aber ein doch interessanter Gedankengang.