Review

WWI - Eine Trashretrospektive


Der erste „Kingsman“ war eine mittelgroße Sensation. Eine Bombe an ungezogener Unterhaltung, von der noch heute der Name und Titel zehrt. Die Fortsetzung eher ein dicker auftragender Aufguss, mit noch weitaus mehr unangenehmen Geschmacksausrutschern und dennoch ohne den Wow-Effekt. Nun kommt Teil 3 bzw. eine Vorgeschichte, die über hundert Jahre zurückspringt und von der Gründung des Kingsman Secret Service erzählt. Die etwa zeitgleich zum ersten Weltkrieg vonstatten ging. Und so viel sei gesagt: zumindest in Sachen tonale Verfehlungen, geschichtlichem Revisionismus und geschmacklichem Durcheinander legt „The King's Man“ nochmal eine gehörige Schippe drauf…

„The King's Man“ macht oft den Eindruck, dass er weder stolz auf seine bisherige Reihe, seine Wurzeln, den sonstigen Ton ist, noch dass es sich um ein Matthew Vaughn-Werk handelt. Erstaunlich ernst und humorlos, spassfrei und dreckig, tonal ein Chaos sondergleichen. Da treffen Grabenkämpfe auf einen steppenden Rasputin, echte Attentate auf dümmste Sexerpressungen, Comicaction auf eine platte (und ziemlich fehlgeleitete) Geschichtsstunde rund um den ersten Weltkrieg, „1917“ auf witzelnde Widder, krude Kriegstheorien auf Weltenretter, Verklärung auf Verschwörung, Puppentheater auf Massengräber. Das passt so gut wie ein Stiefel in die eiskalte Pfanne. Nein, das ließ mich die meiste Zeit verdutzt, oft gelangweilt und auch mal (aus den meist falschen Gründen) schockiert zurück. „Kingsman“ war noch nie subtil oder intelligent. Aber dieser dritte Ableger ist schon arg idiotisch und von simpelstem Gemüt. Noch dazu hat er einen ärgerlich blassen Hauptbösewicht/Strippenzieher, schwache Computereffekte und wirkt oft ehrlich gesagt wie ein überlanger Flickenteppich aus Exposition und Bullshitgranaten. Und dennoch hat er ein paar vor dem Totalschaden rettende Elemente, die zumindest die Ehre nicht ganz so tief in den Dreck drücken. Zum einen ein sich den Hintern abspielender Ralph Fiennes. Das kann die schlimmste Grütze aufwerten, er ist halt wirklich und noch immer eine Legende. Dann wären da ein paar fetzige Fights (obwohl natürlich keiner ansatzweise an die „Kirchenszene“ aus dem Original herankommt). Ein immerhin mutiger WTF?!-Moment in der Mitte. Und ein auftrumpfender, (zu?) heroischer Score. Doch für den grünen Bereich hätte hier wohl selbst ein waschechtes Wunder nicht mehr geholfen…

Fazit: nochmal eine Stufe runter vom ohnehin auch schon nicht mehr voll empfehlenswerten „The Golden Circle“. Dieses Prequel ist zu oft verwirrt, tonal ein Fauxpas und teilweise gar unnötig wie ein Kropf. So hält man kein Franchise am leben. Wenn überhaupt für Die Hard-Fans der Reihe, Action-Allesschlucker oder schon halb eingeschlafene Gelegenheitsgucker. Im Kino locker skippen. Daheim irgendwann gratis mitnehmen. 

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