Wenn man bedenkt, dass im letzten KINGSMAN-Film noch Elton John im Muppets-Kostüm fluchend durch die Luft segelnd Gangster verprügelte, erscheint es reichlich merkwürdig, dass sich Macher Matthew Vaughn bei diesem Prequel so viel Mühe gegeben hat, den Film halbwegs korrekt in einem historischen Kontext zu verankern.
Was auch ein Hauptproblem dieses Films darstellt: Auf der einen Seite wird THE KING’S MAN den Erwartungen an die Reihe gerecht, indem er einige bravourös und einfallsreich inszenierte Actionszenen abliefert, die – wenn auch nicht so over the top wie bisher – wirklich Spaß machen. Doch sind sie dieses Mal rar gesät.
Einen großen Teil des Films nimmt überraschenderweise ein gänzlich anderes Genre ein, das man vielleicht als historisches Familien- und Kriegsdrama bezeichnen könnte und das mit viel Aufwand, Pathos und sogar ganz unironischen Tränen dem ansonsten nicht gerade seriös angelegten Actionblockbuster eine völlig unpassende Komponente verpasst. Gerade wurde noch mit Rasputin, Mata Hari und Lenin ein offensiv abstruses Namedropping-Schmierentheater gespielt, da soll man in der nächsten Sequenz einen Heldentod beweinen? Come on.
Schade, dass sich Vaughn nicht für eine Tonalität entscheiden konnte, so lässt sich der neue KINGSMAN nur eingeschränkt denen empfehlen, die Freude an etwas rasant inszenierter Action sowie an Fiennes, Arterton und Hounsou haben und beim viel zu ernst gemeinten langatmigen Rest bereit sind, ein Auge zuzudrücken. Beim im Nachspann angekündigten Sequel mit einem weiteren historischen Namedropping muss sich Vaughn allerdings etwas mehr ins Zeug legen.