Kaiserschmarrn
Vor zwei Jahren hätte ich noch behauptet, dass in „Mulan“ von allen Disney-Animationsmeisterwerken (zusammen mit „Arielle“ und „Pocahontas“) wohl das meiste Potenzial eines Remakes mit realen Menschen steckt. Diese massiv gefloppte und völlig minderwertige, sich dem chinesischen Markt unangenehm anbiedernde und dem Original in absolut JEDER Facette unterlegene Version war dabei nicht das, was ich im Kopf hatte... „Mulan“ von 2020 erzählt im Grunde ziemlich genau dieselbe, bekannte Geschichte nochmal - die titelgebende Tochter stürzt sich für ihren Vater, ihre Familie, ihr Land als Mann getarnt in den Krieg gegen aggressive Eroberer. Nur eben in lahmer, zahmer, beliebiger und mehr als offensichtlich: seelenloser!
Während „The Jungle Book“ oder ein „Cinderella“ zumindest noch in Teilen Kreativität und Eigenwille erkennen ließen, zeigt „Mulan“ eigentlich alles, was 2020 beim Disneykonzern falsch läuft. Und ist vor allem ganz einfach und ehrlich gesagt ein gnadenlos langweiliges und ernüchterndes (Möchtegern-)Epos. Die Landschaften (selbst wenn größtenteils in Neuseeland nicht China gedreht) sind atemberaubend, es gibt einige tolle asiatische Legenden wie Jet Li oder Donny Yen zu sehen. Zudem ist die grundsätzliche Message „Versteck nicht, wer du bist!“ nie aus der Mode und weiterhin enorm wichtig. Aber ansonsten ist dieser „Mulan“-Verriss zahnlos, witzlos, ermüdend und ging mir ehrlich gesagt schockierend am Allerwertesten vorbei. Das ist nicht überstreng, das kommt nicht von einem Über-Fan des Originals, das lässt die Skandale rund um die Produktion hinter der Kamera ganz außen vor. Das ist einfach die Wahrheit, das kann man nicht sanfter und lieber umschreiben, verpacken. Mulan an sich bleibt erstaunlich austauschbar und klischeehaft, dass ihre Fähigkeiten von Beginn an da sind, unterwandert die Kernaussage und jegliche Reise plus Identifizierung extrem. Das ist schlicht lächerlich und ein Kardinalfehler. Zudem wirken etliche Aufnahmen arg artifiziell und bearbeitet, unschön um ehrlich zu sein, Sidekicks wie Mushu und grandiose Songs wie „Sei ein Mann“ fehlen schmerzhaft und können kaum ersetzt werden. Und jegliche Sets, Settings und Städte wirken unbelebt, unbewohnt, menschenleer. Seelenlos - wie der komplette Film. Da wiederhole ich mich gerne. Ein banaler, oft gar peinlicher, nach hinten losgegangener Cashgrab, dessen milde Kämpfe und seichten Schlachten keine Kohlen mehr aus dem feigen Feuer holen. „Mulan“ von 2020 kann man in die Tonne kloppen, wird keinem Fan, keiner Kultur, keiner Vorlage gerecht, hat keine Daseinsberechtigung und regt mich jede Sekunde mehr auf, in der ich mich mit ihm beschäftige. Eine brachiale Bruchlandung, die hoffentlich ein kapitales Umdenken einleitet. Das ist meiner Meinung nach nicht mehr schön zu reden. Bitte kein Geld dafür auf den Tisch legen!
Fazit: selten war ein dermaßen bunter Film derart blass, leblos, eintönig. „Mulan“ versucht es vielen recht zu machen und verliert dabei nicht nur mit Abstand gegen das animierte Original, sondern auch gegen alle anderen Live Action-Remakes des Maushouse und, was noch viel härter trifft, den Sinn und die Unterhaltungswerte eines guten Filmes aus den Augen. „Mulan“ (2020) ist lahm, ängstlich, langweilig ohne Ende, nicht nur keine 22 Euro wert, sondern nichtmal seine zwei Stunden. Eine epische (Peking-)Ente!