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Urbane Legenden aber auch mysteriöse Internetphänomene lassen sich oft nur schwer auf Zelluloid bannen. Eines der jüngeren Beispiele ist der Slender Man, der in Form eines Spiels Gänsehaut erzeugte, als Film jedoch kaum taugte. „Mercy Black“ ist eine Variation dieses Themas, ausgehend von einer Messerstecherei, welche durch den Hype um Slender Man ausgelöst wurde.

Nach 15 Jahren wird Martina aus der Psychiatrie entlassen und kommt bei ihrer Schwester Alice unter, die sich um ihren achtjährigen Sohn Bryce kümmert. Als Kind war Martina daran beteiligt, eine Freundin der Sagengestalt Mercy Black zu opfern, um als Gegenwert ihre kranke Mutter zu heilen. Nun aber mehren sich die Vorzeichen, dass Bryce Mercy Black tatsächlich wahrnimmt…

Es ist eine überschaubare Figurenkonstellation, die Autor und Regisseur Owen Egerton mit seinem dritten Langfilm präsentiert. Dennoch fallen die Figurenzeichnungen eher vage aus, gleichermaßen etwas klischeebeladen. Marina wirkt nach 15 Jahren Psychiatrie ein wenig demütig und vom Paranormalen abgewandt, die damaligen Ereignisse hat sie weitgehend verdrängt, was nicht unbedingt für die Einrichtung spricht. Ihre Schwester ist zwar fürsorglich und dadurch sympathisch, sie hat aber kaum Einfluss auf die Handlung. Bryce ist hingegen angenehm undurchsichtig: Wurde er vom unfreiwilligen Blick ins Internet und den damit verbundenen Informationen über Mercy Black nur angestachelt oder verändert sich seit dem Einzug von Martina tatsächlich etwas?

Leider ereignet sich diesbezüglich recht wenig und die Titelgebende mutiert zu einer Art Hörensagen, - sie stellt zu keiner Zeit eine bedrohliche Präsenz dar. Vielmehr geht es um die Frage, ob die reine Thematisierung der Legende nicht etwa zu Realitätsverlusten führt, oder ob eine Form später Vollendung im Spiel ist. Schließlich wurde vor 15 Jahren ein Ritual losgetreten, welches häppchenweise in diversen Flashbacks nahe gebracht wird.

Anstatt hier und da mit bösen Vorzeichen oder unerklärlichen Ereignissen zu hantieren, geht der Stoff nicht sonderlich subtil vonstatten, indem er Klischees wälzt und auf Ereignisse setzt, die in ihrer Quintessenz wenig überraschend erscheinen. Überdies halten sich die Gewalteinlagen sehr in Grenzen und lediglich einem finalen Twist ist es zu verdanken, dass der Streifen nicht komplett ohne Höhepunkte vor sich hin mäandert.

Dagegen können die halbwegs brauchbar performenden Mimen kaum anspielen und auch das unauffällige Handwerk hinterlässt keine markanten Szenen. Somit verblasst „Mercy Black“ schon kurzer Zeit nach Sichtung, da er eine wenig originelle Geschichte ohne Höhepunkte darbietet und kaum spannende Einlagen liefert.
3,5 von 10

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