Review

Stößt sich die Hörner ab 


In „Martha the Monster“ folgen wir einer Monsterdame auf dem Weg zu sich selbst. Durch eine Welt, in der Menschen und Monster zusammenleben, aber scheinbar bei weitem nicht den gleichen Stellenwert besitzen, muss sie lernen in einer harten Großstadt zu ihren Hörnern, zu ihren Marotten und zu ihrem starken Charakter wie Aussehen zu stehen, selbst wenn das heißen mag, nicht immer dazuzugehören oder von allen gemocht zu werden...

Die Idee von „Martha the Monster“ bzw. das Worldbuilding inklusive Metapher für Ausgrenzung und (Nicht-)Gleichberechtigung ist natürlich alles andere als neu, wurde schon oft ähnlich genutzt, von „District 9“ über den grandiosen „Border“ bis „Bright“. Doch dieser monströse Selbstfindungs-, Midlifecrisis-, Identifikationsproblem- oder Coming-of-Age(?)-Trip wirkt dennoch süß, frisch und energisch genug, um aus diesem kreativen Schatten herauszutreten. Die Effekte fügen sich nahtlos in die Optik ein, sind extrem gut gelungen für eine solche kleine Produktion, zwischen Puppen und PC. Zudem wirkt die Welt sehr interessant, es gibt viele verschiedene Monster zu entdecken und der Humor bzw. der Ton wird phasenweise schön düster. Zudem kann man Rose Byrne bzw. ihre Stimme ja nur mögen. Alles macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Davon würde ich richtig gerne mehr sehen, da ist an jeder Ecke noch Potenzial. Irgendwo zwischen Spike Jonze, der Sesamstrasse und Wes Anderson. Mit genug menschlicher Schlagkraft und sozialer Sprengkraft, mit dem Herz am rechten Fleck und erstaunlicher kreativer Kontrolle. Schönes Ding. 

Fazit: eine beeindruckende Optik und tiefgreifende Themen machen diesen monströsen Kurzi zu einem Winner - selbst wenn man gerne noch viel mehr von der Welt, der Hauptfigur und den Topics gesehen hätte. Aber das ist halt das „Problem“ von vielen Kurzfilmen... Die Macher werde ich im Auge behalten! 

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