Eiichiro Oda, der Schöpfer von ONE PIECE, holte sich Inspiration für sein Werk bei so prominenten Vorbildern wie dem Kult-Manga DRAGONBALL. Nun, tatsächlich braucht sich Odas als Piratenszenario konzipierter Geniestreich in keinster Weise vor DRAGONBALL und anderer Konkurrenz zu verstecken. Was ist es also, das die Faszination von ONE PIECE ausmacht und dafür sorgt, dass die Geschichten um RUFFY & Co. regelmäßig auf den oberen Rängen der japanischen Manga-Verkaufscharts landen?
Die Welt:
Piratenkönig GOL D. ROGER wird gefangen genommen und öffentlich hingerichtet, verrät vor seinem Ableben jedoch noch, dass er irgendwo den größten Schatz der Welt versteckt hat, das ONE PIECE! Ab hier bricht dann „das große Piratenzeitalter" an und alle sind sie auf der Suche nach diesem sagenhaften Schatz. So beginnt die Geschichte von MONKEY D. RUFFY, dessen größter Traum es ist, der nächste König der Piraten zu werden. Die Welt in der RUFFY lebt, besteht hauptsächlich aus Wasser, genau genommen gibt es nur einen einzigen Kontinent, REDLINE genannt. Dieser verläuft als schmales Band in Nord-Süd Richtung und ist der Sitz der WELTREGIERUNG. Neben der REDLINE als Landmasse gibt es die vier großen Ozeane, genannt East-, West-, North- und South Blue, die zusammen eine äquatoriale Strömung, die GRAND LINE, bilden. Die GRAND LINE, mit ihren vielen Inseln, ist der Ort an dem sich die mächtigsten aller Piraten aufhalten, und das nicht ohne Grund, denn schließlich hat GOL D. ROGER seinen Schatz hier irgendwo versteckt. Gelenkt werden die Geschicke der Welt von drei etwa gleich starken Gruppierungen, zum einen von der MARINE, die sich nach außen hin (natürlich) für das Gute einsetzt, die insgeheim aber eine recht fragwürdige Auffassung von Gerechtigkeit besitzt (BUSTER CALL). Als zweite Gruppe haben sich die mysteriösen und unglaublich starken 7 SAMURAI DER WELTMEERE etabliert. Da diese meist einzeln unterwegs sind, scheinen sie auch kein gemeinsames Ziel zu verfolgen... Das Triumvirat der Mächte wird komplett durch die 4 KAISER, den stärksten Piratenkapitänen der GRAND LINE. Von diesen sind bisher nur zwei bekannt, der ROTE SHANKS, RUFFYs großes Vorbild, und WHITEBEARD, der einstige Gegner von GOL D. ROGER. Über das Gleichgewicht der 3 Gruppen wacht die zwielichtige WELTREGIERUNG, die aus irgendeinem Grund nicht will, dass man sich mit der VERLORENEN GESCHICHTE befasst. Das ist ein geheimnisvoller Zeitabschnitt, der sich über 100 oder 300 Jahre erstreckt und von dem einzig und allein große Monolithen, die sogenannten PORNEGLYPHEN, berichten. Ein dramaturgisch sehr geschickter Schachzug von Oda, die einzige Person, die diese PORNEGLYPHEN lesen kann (soweit bekannt), Mitglied in RUFFYs Crew werden zu lassen...
Die Kämpfe:
Wie bei DRAGONBALL sind die Kämpfe in ONE PIECE ebenfalls ein enorm wichtiger Teil der Story. Um die Fights so interessant wie möglich zu gestalten hat sich Eiichiro Oda einiges einfallen lassen. Allem voran die Existenz von sogenannten Teufelsfrüchten, die demjenigen, der davon isst, eine bestimmte Fähigkeit übereignen. So hat RUFFY beispielsweise von der „Gum-Gum-Frucht" gegessen, die ihn zum Gummimenschen gemacht hat. Auf diese Weise kann er seinen Körper dehnen ohne Ende. Der Kreativität seiner Attacken sind dabei keine Grenzen gesetzt, schließlich muss er, als Anwärter auf den Piratenthron, immer wieder neue Kampftechniken aus dem Strohhut zaubern können (GEAR), um noch stärker und besser zu werden! Die verschiedenen Teufelsfrüchte können im Grunde alles an Fähigkeiten abdecken, was einem so in den Sinn kommt. Feuer, Eis- und Blitzfrucht wirken da noch ziemlich profan, verglichen beispielsweise mit der „Trenn-Trenn-Frucht", mit der Konsument BUGGY THE CLOWN seine Körperteile nach Lust und Laune amputieren und wieder zusammenfügen kann. Erstgenannte Früchte klingen vielleicht nicht sonderlich originell, dennoch gehören diese, wie man schon sehen konnte, wohl mit zu den mächtigsten Teufelsfrüchten. Wieso futtert dann nicht einfach jeder so ein Teil um besser zu werden? Die Früchte sind schwer zu finden und sorgen außerdem dafür, dass man nicht mehr schwimmen kann. In einer Welt die fast ausschließlich aus Wasser besteht, ist das bestimmt etwas hinderlich...
Die Gang:
Frohnatur RUFFY ist natürlich nicht alleine unterwegs, sondern bildet zusammen mit seinen (derzeit) 7 Gefährten die „Strohhutpiraten". Schwertkämpfer Lorenor ZORRO irrt oftmals orientierungslos in der Gegend umher, kann sich aber durchaus eine kleine Schwäche bei seiner enormen Kampfkraft leisten. Der Ex-Piratenjäger kämpft meist mit 3 Schwertern und wird immer getrieben von dem Ehrgeiz, einmal der beste Schwertkämpfer der Welt zu werden. Sollte mal eines seiner Schwerter im Kampf kaputtgehen, dann wird ZORRO wohl äußerst widerwillig bei Gefährtin NAMI vorsprechen müssen. Sie hat sich quasi selbst zur Schatzmeisterin der Strohhüte gemacht und in finanziellen Angelegenheiten versteht die Gute mal aber gar keinen Spaß. Tatsächlich ist NAMI jedoch eine sehr talentierte Navigatorin und träumt davon, irgendwann einmal die ganze Welt, mit allen Meeren und allen Inseln zu kartographieren. LYSOP, pathologischer Lügner und grundsätzlich wenig risikofreudig, ist der Schütze und Waffenmeister der Crew. Außerdem besitzt er viel technisches Geschick und hat zum Beispiel NAMIs Waffe, den „Klima-Taktstock" entworfen und gebaut. Dem Weg seines Vaters nacheifernd, wünscht sich LYSOP, ein berühmt-berüchtigter Pirat zu werden. Als die Strohhutbande auf SANJI stieß, war schnell klar, dass sie nicht nur einen Spitzenkoch, sondern auch einen fähigen, auf Kicks spezialisierten Kämpfer gefunden hatte. Allerdings hat SANJI auch eine verhängnisvolle Schwäche: Er kann keiner schönen Frau widerstehen, was ihn natürlich schon in so manch brenzlige Situation brachte. Als ambitionierter Koch hofft SANJI, eines Tages das sagenhafte ALL BLUE zu finden, ein Meer, in dem alle Fischarten der 4 Ozeane zu Hause sind. Wie es ist, nirgendwo richtig dazu zu gehören, davon kann CHOPPER ein Lied singen. Ursprünglich war CHOPPER ein Rentier (kein Elch), bis er einmal etwas von einer „Mensch-Mensch-Frucht" aß. Die Teufelsfrucht verlieh im eine Reihe menschlicher Fähigkeiten, wie z.B. das Sprechen. Weder von Rentier noch Mensch akzeptiert, widmete sich CHOPPER intensiv dem Studium der Medizin, bis er auf die Strohhutbande traf... Hier hat er die Rolle des Schiffsarztes übernommen und kann nun sein Wissen in die Praxis umsetzen. Er wünscht sich, für jede Krankheit das richtige Heilmittel zu finden. Auf der Suche nach Wahrheit ist die Archäologin NICO ROBIN. Ihr Ziel ist es nämlich, herauszufinden was zur Zeit der VERLORENEN GESCHICHTE passierte und wieso diese Epoche aus der Geschichtsschreibung entfernt wurde. NICO ROBIN hat schon als kleines Kind von der „Flora-Flora-Frucht" gegessen und kann in einem bestimmten Umkreis je nach Belieben Arme wachsen lassen. FRANKY, RUFFYs neuestes Crewmitglied, ist nach einem schweren Unfall in seiner Jugend zu einem Cyborg geworden. Seit damals hat er seinen Traum, die Meere zu bereisen, um einmal das perfekte Schiff zu bauen, aus den Augen verloren. Doch von den Strohhüten zum Mitreisen überredet, kann er nun endlich wieder den Schiffszimmermann raushängen lassen...
Man könnte nun vermuten, dass durch die Sorgfältigkeit, mit der Eiichiro Oda seine Protagonisten ausgearbeitet hat, die Präsentation der anderen Charaktere zwangsweise etwas gelitten hat, doch weit gefehlt! Viele von Odas „Side-Characters" werden so cool in Szene gesetzt, dass man es kaum erwarten kann, diese endlich mal so richtig in Aktion zu sehen, ich sag‘ nur WHITEBEARD... Hierin liegt auch einer der vielen Reize, die der Serie ihr enormes Suchtpotential verleihen, denn man weiß genau, dass die Konfrontation eben dieser, meist wohl auch unglaublich starker „Side-Characters" und der Strohhutbande irgendwann wahrscheinlich unvermeidlich ist, und man kann vorab schon mal grübeln, was z.B. WHITEBEARD für eine Teufelsfrucht geschluckt hat und wie stark der Typ tatsächlich ist... Oda schießt in Sachen Charakterdesign aber auch mal gerne übers Ziel hinaus. Dabei entstehen dann Figuren wie tuntige Gestaltwandler oder moonwalkende Michael Jackson Look-A-Likes, die selbst mir etwas zu schräg sind. Na ja, wo gaaanz viel Licht ist, gibt's eben auch ein kleines bisschen Schatten...
Eventuell könnte die Tatsache, dass romantische Anwandlungen seitens der Hauptfiguren quasi nicht existieren (SANJI zählt hier nicht!), von einigen weiblichen Anime-Interessierten etwas bedauert werden. Was beispielsweise bei INU YASHA noch prima funktioniert und auch zum Teil den Reiz der Story ausmacht, wäre bei ONE PIECE jedoch total fehl am Platz. Denn hier sind andere essenzielle Dinge wie Freundschaft, Mut, Entschlossenheit und der Glaube daran, dass man zusammen wahrhaft Großes vollbringen kann, einfach wichtiger und stimmiger.
Der Anime:
Auch handwerklich lässt die ONE PIECE keinen Wunsch offen. Die Serie ist zum einen fantastisch gezeichnet, zum anderen werden die Abenteuer der Strohhüte mit großartiger Musik unterlegt. Besonders in den ruhigen Momenten kommen die wunderschönen Melodien gut zur Geltung. Absolut gelungen ist auch die deutsche Synchronisation. Die Stimmen der Sprecher (und Sprecherinnen) passen wunderbar zu den einzelnen Charakteren. Problematisch wird es allerdings, wenn nach ungefähr 250 Folgen die gewohnte Stimme durch eine andere ersetzt wird, so wie unlängst beim „kleinen" CHOPPER geschehen. Nichts gegen den neuen Synchronsprecher, der Mann gibt sich bestimmt Mühe, aber unterm Strich ist die neue CHOPPER-Synchro doch ziemlich verunglückt, denn die neue Stimme passt einfach nicht mehr... Tja, muss man sich wohl dran gewöhnen... Schade auch, dass die Serie im deutschen Free TV aufgrund der nicht ganz blutleeren Kämpfe (noch) nicht ungeschnitten ausgestrahlt wird. Da ONE PIECE hierzulande im Nachmittagsprogramm von RTL2 und TELE5 läuft und dementsprechend viele (kleinere) Kinder zuschauen können, ist das wohl nachvollziehbar.
Das Verhältnis von Humor und Dramatik würde ich auf etwa 60 / 40 beziffern. Bei Ersterem sind es nicht nur die gewohnten Standard-Gags der Hauptakteure (SANJIs Liebestrunkenheit, RUFFYs Fressattacken etc.) oder skurrile Ideen wie die "Teleschnecke", die für Lacher sorgen, selbstverständlich beschwört Eiichiro Oda auch immer wieder neue, verrückt-komische und überraschende Situationen herauf. Dramatische Momente sind auch reichlich vorhanden, meist bei Rückblenden oder wichtigen Kämpfen. Das Finale des „Enies Lobby Arc" wird zum Beispiel an Spannung und Dramatik kaum noch zu überbieten sein!
Zusammenfassung:
Um die eingangs gestellte Frage, was denn die Faszination von ONE PIECE ausmacht, nochmals aufzugreifen, es ist: