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Von den ganzen (erfreulich) vielen Kollaborationen der letzten Jahre zwischen Regisseur Jesse V. Johnson und seinem Star Scott Adkins war The Debt Collector wahrscheinlich noch der letzte Film, von dem man eine Fortsetzung a) erwartet und b) auch darauf gehofft hätte; dennoch ist genau dieses Ergebnis eingetreten und wird nun mit dem (nicht etwa rein thematischen, sondern tatsächlichen) Sequel The Debt Collector 2 präsentiert. Der Mann hinter der Kamera und der Mann vor ihr sind natürlich wieder zugegen, dabei ist auch das Original trotz weniger begeisterter Aufnahme bei den Zuschauern immer noch qualitativ gelungen, wenn auch durch gewisse Zutaten und Umsetzungen weniger positiv als die Gegenüber (wie bspw. The Accident Man oder Avengement). Immerhin scheint man Kasse beim Publikum gemacht haben, was erfreulich ist – Johnson hatte vor kurzem verkündet, der Film wäre der Erste, wo er einen Royalty Check erhalten hätte – , ist weiterer Nachschub des mittlerweile insgesamt eingespielten Teams sowieso nie und gerade in heutigen Zeiten des Darbens vergleichbarer Produkte und des derzeitigen Stillstands vieler Produktionen sowieso nie verkehrt:

Als Sue [ Louis Mandylor ] seinen Kumpan 'French' [ Scott Adkins ] wieder einen Besuch abstattet, hat dieser gerade seinen Job als Rausschmeißer in einer Bar verloren und ist auch nur deswegen bereit, noch einmal für Tommy [ Vladimir Kulich ] einen Auftrag zu erledigen. Eigentlich sind es drei Aufträge, die sie jeweils zu Mal Reese [ Marian Sirtis ], Esteban Madrid [ Cuete Yeska ] und cyrus Skinner [ Vernon Wells ] führen, außerdem ist die Zeit begrenzt, und werden sie von den Aufpassern des eigentlichen Auftraggebers Molly X [ Louie Ski Carr ], dessen Schergen Evo [ Josef Cannon ] und Darius [ Jermaine Jacox ] auf Schritt und Tritt und vorneweg zum ersten Zwischenstopp nach Las Vegas begleitet.

"I thought you were dead." - "Well, so did I, Frenchie. Believe me." und das folgende zsuätzliche "I can't believe you're sat right here in front of me. I thought for sure that you were a goner." - "Mm, believe me, I was. Flat-lined two times on that slab." erklärt und klärt dann schon alles, was man wissen muss zum Vorgänger und dem 'interpretationswürdigen' Ende, alles wie gehabt und alles wie beim alten, das Paar ist wieder zusammen, wieder vereint und mit frischen Kräften gestärkt. Eine neue Welt wird eröffnet, mit alten Bekannten und alten Regeln, mit alten Gewohnheiten wie der einleitenden Barschlägerei von Adkins gegen eine Horde Yankees und einem vorherigen Musikintro, was eingangs frappierend an Jerry Goldsmith sein "Nicaragua" erinnert. Die Verbindung einer neuen Prämisse und quicklebendigen Charakteren mitsamt einer Vorgeschichte, die sowohl allgemein als auch speziell länger zurückgeht und ihre Traditionen und Konventionen aufweist, ergibt hier den Reiz, das Spiel mit Vertrautem und das Spiel mit Mythen. Visuell ist man gleich gehalten, die Sonne durchflutet das Bild, die Kaschemmen sind usselig, der Himmel ist hellblau. Die Inszenierung ist entspannt, auch beständig, aber nicht tight. Die kleinkriminelle Gangstergeschichte, quasi auch die Wiederholung des Originals nur mit anderen Vorzeichen, ein langer Gang des Todes bis hin zum wieder violenten Shootout, mit drei Aufträgen und 48h Zeit.

"OK, this ginger prick. AK 47. That is pretty much the wankiest assault rifle anyone could get." - "Two million Russian soldiers would disagree with you." - "Yeah, but look how he's limp-wristing the receiver. I bet you this prick's never had a range session in his life. OK. If he gets close enough, I'm gonna take him. You can dance with the other three, yeah?" - "Wait a minute. You get to take out one, I get to take out three. How's that fair?" - "I'm gonna take the one with the assault rifle, Sue." - "You just told me he didn't know how to hold the gun!" - "And one of yours is a girl." - "She look like a girl? That's a fuckin' monster." - " You hit 'em, they go down. Simple." - "Come on, Frenchie, look. I haven't hit a woman in a long time, brother." - "Well, that means you're rested then, doesn't it? Yeah? So, go on, get out there. Give it a bit of the ol' Golden Boy hospitality. You remember how to do that, yeah?"

Das Buddy Picture aus dem Vorgänger wird neu aufgeköchelt, noch einmal erwärmt, unter etwas anderen Voraussetzungen, die bedeuten, dass French nicht mehr der Neuling in der Lehre ist und nicht mehr blauäugig an die Sache herangeht, während Sue der Gewalt abgeschworen hat, oder zumindest davon fabuliert. Ein neuer Auftrag steht an, ein letzter soll es natürlich werden, diesmal auch die Fahrt hinaus aus der Stadt zu weit entfernten Zielen, sodass der Film zwischenzeitlich zusätzlich zum Road Movie und dies v.a. verbal aufgeladen zu mutieren scheint. Da Stu Small wie so oft zuletzt mitgeschrieben hat und den Plaudertaschen hier Feuer, Flamme, Glut und Zunder liefert, wird zusätzlich zu der reinen Bewegung und kleineren intensiven Handgreiflichkeiten diese auch kommentiert und rekapituliert, Flüche abgesondert und der Gegenüber oder auch der Sitznachbar kommunikativ massakriert. Zuweilen ist das einfach nur andauerndes Palaver, zuweilen mit Stilblüten angereichert. Kapiteleinteilungen, Rückblenden, merkwürdige Anhängsel im Rück- oder auch im Seitenspiegel und mysteriöse Locations begleiten und unterteilen die Geschichte, die von einer einfachen Prämisse ausgeht und aus der Simplizität das Kaleidoskop einer eigenen bunten B-Picture Welt arrangiert.

Im Gegensatz zum Erstling, der lange Zeit happy-go-lucky war und dann am Ende nicht mehr, wird hier schon früher und zwischenzeitlich als Erinnerung immer mal der etwas härtere Ton aufgefahren, entweder auch im Dialog zwischen den Beiden, zwischen denen nicht nur eine siebenmonatige 'Trennung', sondern auch ein gravierend einschneidendes Ereignis und zumindest auf einer Seite auch der Bruchteil einer Unwahrheit bzw. des Verschweigens der Wahrheit liegt, oder im Austausch von Erinnerungen und Empfindungen, auch das Blut spritzt eher. Sue ist noch älter geworden und French zwar immer noch die Assistenz, aber kennt schon das Geschäft, ist aggressiver geworden, hat die kürzeren Nerven und stapft jetzt auch mal voran. Zwischendurch muss der Mixed Martial Artist mal als Boxer gegen einen anderen Boxer antreten, was die lange gestellte Frage klärt, welche von beiden Sportarten intensiver ist, zumindest dann, wenn die Fäustlinge aus sind und die Pumpgun in den Händen liegt. Später legt er einen unfreiwilligen Sprint durch die verlauste Nachbarschaft ein, auf der Verfolgung eines selbst erklärten Parkour Runners, der zwar recht grobmotorisch ist, aber dennoch die bessere Kondition und so einige kleinere Tricks aufweist. Auch die Hinterhofprügelei aus Sie leben bekommt hier seine Konkurrenz, zumindest in der Länge und in der Konsequenz.

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