Menschenjagd war bereits 1932 ein Fall für die große Leinwand, als „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ auf einer Insel ein unbarmherziges Spiel anzettelte. Jahrzehnte später überschatten gesellschaftliche Ereignisse die ursprüngliche Fiktion, wie der eine oder andere Amoklauf unter traurigen Beweis stellt. Doch nicht nur deshalb blieb „The Hunt“ die Kinoauswertung verwehrt, denn die politsatirischen Ansätze gelangten bei Politikern natürlich prompt in den falschen Hals.
Zwölf einander Fremde um Crystal (Betty Gilpin) erwachen geknebelt in einem Waldstück und entdecken eine Kiste mit Waffen. Kurz darauf ist die Jagd auf die Truppe eröffnet und jeder scheint sich selbst der nächste…
Regisseur Craig Zobel stattet seinen Survival-Actioner mit einem enormen Tempo aus und legt gleich zu Beginn einige falsche Fährten, wer denn überhaupt für längere Zeit in den Fokus der Hatz geraten könnte. Binnen weniger Minuten sind bereits einige Individuen auf beiden Seiten kalt gemacht, was zuweilen mit einigen überraschenden Härten einhergeht.
Ein Kugelschreiber landet im Hals, ein Absatz im Auge, es gibt weggeblasene Schädel, Kehlenschnitt und einige tödliche Explosionen. Die Effekte können sich allesamt sehen lassen.
Für Abwechslung in der beinahe kapitelartigen Erzählung sorgen indes der pechschwarze Humor, der das eine oder andere Klischee politischer Gegner aufs Korn nimmt. Weder die Liberalen noch die Konservativen werden verschont und Zeit für Genderwitze und Fragen nach Besetzungsquote bleibt ebenfalls. Als das Tempo im zweiten Drittel ein wenig heruntergefahren wird, minimieren sich auch Situationskomik und bissige Kommentare, während es zum Finale zu einem unarmherzig geführten Zweikampf kommt, der für kleinere Längen im Mittelteil entschädigt, zumal hier einmal mehr ein paar gesellschaftskritische Spitzen ausgefahren werden.
Auch darstellerisch muss sich der Beitrag nicht hinter ähnlich gelagerten Genrebeiträgen verstecken, - im Gegenteil. Einige Nebenrollen sind mit Namen wie Emma Roberts, Hillary Swank und Reed Birney relativ hochkarätig besetzt, wobei Betty Gilpin mit ihrer enormen Präsenz, viel Körperlichkeit und einer stoischen Grundeinstellung allen die Show stiehlt.
Ein Skandalfilm, wie er mancherorts kategorisiert wird, ist der Streifen definitiv nicht. Er teilt nach allen Seiten ordentlich aus und konfrontiert die Lager mit jeweiligen Überspitzungen, während hier und da wuchtig gestorben oder zumindest unsanft ins Gras gebissen wird.
Ein grundsolider Menschenjagdbeitrag, der anfangs stark auf die Tube drückt, dem im Verlauf jedoch ein wenig die Ideen ausgehen.
7 von 10