iHaveCNit: The Hunt (2020)
08.09.2020
Irgendwie schwierig, in welche Richtung ich diesen Film am Ende des Jahres werten werde. Eigentlich hätte er im Kino erscheinen sollen, dann ist er im Mai per VOD erschienen und nun Anfang September fürs Heimkino, wo ich ihn mir nun geholt habe, weil ich ihn unabhängig seiner Kontroverse zur Veröffentlichung in den Staaten anhand des Trailers gerne sehen wollte. Ähnlich wie im letzten Jahr „Ready Or Not“ mir richtig kurzweiligen Spaß bereitet hat, hat dies auch „The Hunt“ geschafft.
Eine Gruppe aus unbekannten Menschen erwacht in einem Waldstück. Als sie auf einer offenen Wiese eine Kiste mit Waffen entdecken, wird bereits Jagd auf sie gemacht. Während einer nach dem anderen getötet wird, müssen sie sich die Antworten holen: Warum sind wir hier ? Wer ist hinter uns her ? Wem können wir trauen ?
„The Hunt“ könnte rein plakativ als menschenverachtender Film gesehen werden, wenn man sich hier ansieht, wie konsequent, scheinbar grundlos unbescholtene Menschen auf grausame Art und Weise getötet werden, aber damit würde man dem Film an sich keinen Gefallen tun. Denn er hält der amerikanischen Gesellschaft (und vielleicht auch nicht nur dort) den Spiegel vor und lässt jede Seite ihr entsprechendes Fett weg bekommen. Der Maß an Gewalt ist hier in seiner Übertriebenheit auch ein tolles Mittel zur Überspitzung dieser mit schwarzem Humor angereicherten Gesellschafts-Satire, in der wir Anfangs noch gar nicht wissen, wer überhaupt der Hauptprotagonist ist und dann durch elegant geschriebene Ambivalenz (hatte mich erst mit Ami-Valenz verschrieben) am Ende mit Betty Gilpin und Hilary Swank zwei großartige Schauspielerinnen gefunden hat, die die beiden wichtigen Charaktere hier spielen. Das Beide keine Probleme damit haben, körperlich aktiv zu sein, haben sowohl Swank (in Karate Kid 4 und Million Dollar Baby) als auch Gilpin (Glow) bereits in Film und Serien bewiesen. Gepaart mit einer tollen Kampfchoreographie und einem relativ großen Maß an handgemachter Action und Effekten kann der Film auch auf diesem Sektor überzeugen. Es wäre interessant gewesen, wie tief die Satire hätte gehen können, würde man den Film von seinen 90 Minuten dann doch noch etwas ausdehnen. Aber so bleibt ein sehr kurzweiliger Mix aus brutalem Actionthriller und schwarzhumoriger Satire übrig.
„The Hunt“ - My First Look – 8/10 Punkte.