Review

Artenmist Faul


Da denkt man, nach „A Wrinkle In Time“ kann's kaum schlimmer kommen - zack, kommt da dieser junge Herr Fowl mit drangepappten Haaren und gut sitzendem Anzug vorbei und schlägt einem nochmal brutal die eh schon zitternden Schienbeine weg... „Artemis Fowl“ ist nun vom Kino direkt zu Disney+ gewandert (zumindest international), was einen nach Sichtung dieses Totalausfalls kaum wundert. Oder eigentlich doch, da dieser Vollmurks deutlich das Zeug dazu gehabt hätte, komplett und ewig unter Verschluss gehalten zu werden. Erzählt wird (basierend auf einer scheinbar weltweit erfolgreichen Jugendbuchreihe, die nur besser sein kann) von einem hyperintelligenten, superreichen Jungen mit erlesenem Stammbaum voller Meisterdiebe im Kampf gegen eine Armee von hochtechnisierten Feen und auf der Suche nach seinem gekidnappten Vater... Oder so ähnlich. 

Was für ein brutaler Bauchplatscher „Artemis Fowl“ ist, das kann man kaum glauben. Ich habe euch gewarnt. Leider waren große Teile des Films noch nichtmal lächerlich oder unfreiwillig erheiternd, eher grottentief langweilig, wirr und einfach nur mager. Das Ding ist eine große Abschreibung für Disney und an Peinlichkeiten schwer zu überbieten. Zwei Pity Points für den irischen Lokalpatriotismus, die vielen Grüntöne und einen Hauch Komik, wenn Dame Judy Dench oder Colin Farrell sich ihr Grinsen kaum verkneifen können. Doch im Endeffekt tut es einem nur noch leid. Um alle, die mitgemacht haben, um die Jungdarsteller, die nicht ungeschickter in ihre „Karrieren“ hätten starten können, um die vielen Effektkünstler, um das Geld, mit dem man nur Besseres hätte tun können, sei es Hundewelpen schreddern. Und vor allem um die eigene Zeit und strapazierten Nerven. Unser Teenagerhero ist höchst nervig, unsympathisch und flach, das „epische“ Worldbuilding verläuft ins Leere, die Grundstory passt auf einen Bierdeckel, ist nichtmal ein erweitertes Intro und spielt den Großteil des Films wortwörtlich in einer Blase und die „Action“ ist hässlich, undankbar, generisch. Und alle reden seltsamerweise drei Oktaven tiefer als üblich, als ob sie vor 15 Jahren die Sprachcoaches von Christian Bale seien. Alles an diesem Machwerk ist zum Vergessen, für mich hat das auch nichts mehr mit Kult oder High Budget-Trash zu tun. Das sind einfach Schmerzen und Gräueltaten, die sich fast körperlich bemerkbar machen. Der Start eines Franchises?! Das ich nicht lache. Ein neuer Tiefpunkt für Disney-Live Action-Originale. Wo wäre das Maushaus wohl ohne ihre eingekauften Marken und Filmserien?! „Artemis Fowl“ gibt darauf eine spektakulär niederschmetternde Antwort... Dafür kann sich Kenneth Branagh nur schämen. Oder alles abstreiten und Studiointerventionen als Ausrede vorschicken. 

Fazit: der größte, blasseste und aufgeblasenste Mist, den Disney je verzapft hat?! Dagegen wirken „Green Lantern“, „Valerian“, „Enders Game“ oder gar „Jupiter Ascending“ noch wie ausgewachsene Qualitätsfilme. „Artemis Fowl“ ist eine lahme, zahme, banane Ente irgendwo zwischen „Cats“ und „Men In Black: International“. Grotesk schlecht. Seelenlos mit Anlauf, Aluhut und Warnweste. Noch nichtmal der Abspann war wie von Disney gewohnt im zweistelligen Minutenbereich - dabei wäre das hier wirklich mal ein Pluspunkt gewesen... 

Details