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Aus einer Hinterlassenschaft bekommt die junge Francesca (Piimio Mei) unerwartet ein bequemes Sofa - doch schon bei dessen Anlieferung gibt es Probleme, da es sich um ein besonderes Möbel handelt, wie der zufällig anwesende Opa Jack feststellen muß. Doch die neue Besitzerin hat zunächst keine Schwierigkeiten mit dem titelgebenden Polstermöbel, das eigentlich mehr einem ausziehbaren Fernseh-Sessel gleicht: ganz im Gegenteil räkelt sie sich wohlig darin und am nächsten Morgen steht sogar ein kleiner Imbiß auf den breiten Armlehnen. Die ebenso hübsche wie begehrte Francesca hat viele Verehrer, weswegen sie derzeit ganz bewußt einen schwulen Freund hat - als der jedoch auftaucht, macht das eifersüchtige Killersofa auf subtile Weise kurzen Prozeß mit ihm; ebenso ergeht es einem aufdringlichen Ex-Freund. Inzwischen hat Opa Jack, der Großvater von Francescas bester Freundin Maxi, über einen Videokanal im Internet herausgefunden daß ein böser Geist, ein Dibbuk, Besitz von dem Sofa ergriffen hat - doch bis er Francesca, die von all dem nichts mitbekommen hat, vor dem tödlichen Möbelstück warnen kann, vergeht noch einige Zeit...

Wer sich anhand des Covers auf albernen Trash gefreut hat, wird von der neuseeländischen Produktion Killer Sofa eher enttäuscht sein, denn das Drehbuch baut einigermaßen ernst eine konventionelle Spukhaus-Geschichte auf, nur daß eben der Geist sich in einem Möbelstück statt in den Wänden oder im Keller versteckt hält. Dazu hat man dem Sessel in der Rückenlehne zwei Knöpfe sowie etwas tiefer einen Schlitz spendiert, was ihm eine Art Gesicht beschert. Wenn keiner hinschaut, entwickelt der Sessel ein Eigenleben und spaziert dazu auch in der Wohnung umher - Francesca gegenüber verhält er sich freundlich, aber alle anderen Besucher versucht er umzubringen oder wenigstens über das Balkongeländer zu stoßen.

Was an der exotischen Produktion allerdings schnell auffällt, ist das nicht vorhandene Budget - so werden die wenigen Kills (bei denen sich der Sofa-Sessel auch eines Hakens oder einer Schraubenfeder bedient) meist nur angedeutet oder in winzigen Ausschnitten gezeigt, selbst für Computer-Tricksereien (von ein paar billigen Blitz-Effekten am Ende mal abgesehen) stand wohl kein Geld zur Verfügung; als Polizeistation dient ein Lehrerzimmer und der (übrigens sehr engagiert auftretende) Sheriff (Jed Brophy) und seine Assistentin tragen nicht einmal eine Uniform. Lustig ist auch der für einen Amateurstreifen verhältnismäßig lange Abspann, in dem immer wieder die gleichen Namen auftauchen...

Als gelungen darf man aber die ganz wenigen Szenen bezeichnen, in denen sich das Killer-Sofa aufrecht bewegt und mit seinen funkelnden Knopfaugen listig aus dem Fenster oder vom Balkon herunterschaut; ungewöhnlich auch der Umstand, daß der Sheriff der Einzige mit Durchblick zu sein scheint, während der mit einer Voodoo-praktizierenden Lebensgefährtin zusammenwohnende Opa Jack durch seine Internet-Recherchen dem wahren Kern des Übels langsam auf die Schliche kommt. Nicht alltäglich auch die hübsche Francesca, die ihre Anziehungskraft auf Männer ungezwungen thematisiert und sich deshalb einen Partner gesucht hat, der "nichts" von ihr will...

Inwiefern die in weiten Strecken trocken und konventionell erzählte Geschichte das Etikett "Komödie" verdient hat, konnte ich (bis auf das Sofa-Gesicht) nicht nachvollziehen, vielleicht handelt es sich dabei aber um speziellen neuseeländischen Humor.
Unter der Prämisse eines No-Budget-Streifens, den sich zwei oder drei Leute mal ausgedacht und mit Freunden aus der Nachbarschaft abgedreht haben (denn so wirkt Killer Sofa im Großen und Ganzen), funktioniert die Story um das besessene Möbelstück aber dennoch ganz leidlich, immerhin wird eine für das Horror-Genre nicht völlig unglaubwürdige Geschichte vom Anfang bis zum Ende erzählt und bei den (vermutlich bis auf den Sheriff sämtlichst) Laiendarstellern gibt es auch keine Ausfälle zu verzeichnen. Gewiss nicht mainstream-tauglich, aber für geneigte Genrefreunde durchaus einen Blick wert: 3,6 Punkte.

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