4 Gangster nehmen einen Betrieb hoch und kassieren kräftig Bargeld ab, welches eigentlich für die Mitarbeiter bestimmt war. Schnell ist die Polizei am Start und riegelt alles ab. Für 2 Gangster ist das gleich ein Grund abzusausen, die anderen Beiden verschanzen sich ohne Beute, aber dafür mit Geiseln im Gebäude. Nach kurzen Verhandlungen mit dem leitenden Kommissar, steht schnell ein Fluchtwagen bereit und es wird freier Abzug gewährt. Durch einen unglücklichen Verkehrsunfall, müssen die Räuber nur noch durch drei teilen. Allerdings steigert sich mit dem höheren Anteil, auch der Geiz und das Misstrauen unter den 3 Neureichen.
Mario Caiano's 1. Ausflug ins italienische Polizeikrimi-Genre fiel ziemlich knackig aus, gerade weil er sich nicht an das übliche Strickmuster hält. Hier gibt es kein „Bulle jagt Gangster auf eigene Faust, ohne Rücksicht auf Verluste“ - Thema, viel mehr konzentriert man sich hier auf die Gegenseite in Form der eiskalten Banditen. Hier wird auch nicht vor Mord in den eigenen Reihen zurückgeschreckt, was dem Film noch zusätzlich etwas Würze verleiht.
Claudio Cassinelli mimt hier den vermeintlichen Chef der Bande. Eine gute Wahl, auch weil man Cassinelli eher auf der anderen Seite des Gesetzes erwarten würde. Dennoch macht er seinen Part verdammt gut, sodass es Spaß macht ihn mit Wort und Tat in Aktion zu sehen. Den Gegenpart spielt Elio Zamuto als leitender Kommissar - verkehrte Welt also, denn gerade Zamuto hatte in ähnlichen Werken meist die Rolle des Bad Guy inne. Ihm wird allerdings nicht so viel Beachtung geschenkt, da wie gesagt unser Gangstertrio im Mittelpunkt steht.
In den Nebenrollen machen noch Silvia Dioniso, sowie John Steiner eine gute Figur. Leider darf letztgenannter nach 20 Minuten das Zeitliche segnen. Ich hätte ihn gerne noch etwas länger gesehen, gerade aus Steiner kann man jederzeit einen glaubhaften Soziopaten rausholen, der hier das Handlungsgerüst um die verbliebenen „Abkassierer“ noch temporeicher hätte erzählen können. Nun gut, dafür kommen Action und Sprüche nicht zu kurz, von Spannung ganz zu schweigen, auch wenn man weiß wer am Ende triumphieren wird.
Fazit: Ein ungewöhnlicher Genrevertreter, welchem Dank souveräner Regie und einem guten Hauptdarsteller nie die Puste ausgeht. Sicher kann „Milano Violenta“ nicht im oberen Genre-Segment mithalten, aber ein interessanter und extrem sehenswerter Beitrag zur italienischen Polizeifilmwelle bleibt er trotzdem.
(7/10)