Review

iHaveCNit: Exil (2020)
23.08.2020

Kommen wir zu einem schwierigen Thema – gefühlte Diskriminierung und Ausgrenzung im Alltag. Der aus dem Kosovo stammende Regisseur und Drehbuchautor Visar Morina lässt in seinem Psychodrama Misel Maticevic genau das durchmachen. Der Film selbst versucht sehr ambivalent mit dem Thema umzugehen, bleibt dabei aber etwas unentschlossen und nicht ganz zufriedenstellend.

Xhafer stammt aus dem Kosovo, lebt aber ein ruhiges und entspanntes Leben mit seiner Frau und den Kindern, während er in der Forschung eines Pharmaunternehmens arbeitet. Als jedoch eines Tages an seinem Haustor eine tote Ratte hängt und sich diverse kleine Vorfälle im Büro häufen, ist er sich sicher, dass das mit seiner Herkunft zusammenhängt. Sind die Vorfälle tatsächlich auf Fremdenhass zurückzuführen oder bildet sich Xhafer das alles nur ein und sind diese Vorfälle auch auf seinen eher unzulänglichen Charakter zurückzuführen ?

Regisseur Morina folgt während dem zweistündigen Film seinem Hauptcharakter Xhafer auf Schritt und Tritt und lässt uns selbst an seinen Erfahrungen teilhaben. Die Farb- und Lichtgebung der Kamera ist sehr warm, vielleicht sogar sehr heiß und schwitzig. Getragen wird der Film vor allem von einem großartigen Misel Maticevic als Xhafer und demgegenüber auch einer großartigen Sandra Hüller als seine Frau Nora. Eine weitere wichtige und gut gespielte Rolle ist der von Rainer Bock gespielte Kollege Urs. Morina versucht sich dem Thema und auch dem Charakter von Xhafer sehr ambivalent zu nähern, jedoch hatte ich Probleme mich sowohl mit dem Hauptcharakter zu sympathisieren, zu solidarisieren als auch zu identifizieren. Das hängt damit zusammen, dass sich Xhafer konsequent in paranoiden Wahnvorstellungen und seiner eigenen Opferrolle suhlt und sich absolut nicht für abweichende Meinungen und Intentionen interessiert. Auch charakterlich ist er nicht sonderlich ein Sympathieträger. Natürlich sind tote Ratten und ein brennender Kinderwagen sehr prägnante Mittel um das Thema effektiv voranzutreiben und zu untermauern aber gerade manche sehr subtilen Mittel wie der Kommunikationshelfer „Nachfragen“ gerade wenn es um die Aussprechlichkeit von Namen geht, einem eigentlich eher wohlgemeinten Opener für einen Small-Talk mit der Frage nach der Herkunft oder um versehentlich untergegangene Informationen und E-Mail geht – nicht alles hängt meiner Meinung nach mit den schon sehr radikalen und bösen Begriffen „Fremdenhass“ und „Rassismus“ zusammen. Da macht es sich der Charakter von Xhafer schon sehr einfach, während der Film versucht hier sehr ambivalent, uneindeutig und unentschlossen zu bleiben. Interessant wäre es gewesen, wenn der Film hier in der gesamten Auseinandersetzung eben konkrete Fallbeispiele auch mit Intentionen der „Gegenseite“ unterfüttert worden wäre, damit die Vorwürfe Xhafers nicht nur im Raum stehen bleiben, sondern damit entweder bestätigt oder entkräftigt werden. So bleibt der Film mit seinem interessanten, brisanten und wichtigen Thema für mich ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück.

„Exil“ - My First Look – 7/10 Punkte.

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