Review

Für 2022
iHaveCNit: Bad Tales – Es war einmal ein Traum (2022) – Damiano und Fabiano D`Innocenzo – Filmperlen
Deutscher Kinostart: 06.01.2022
gesehen am 29.12.2021 in OmU im Rahmen der Spotlight-Sneak der Arthouse-Kinos Frankfurt
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr

Normalerweise wäre ich mit einem anderen Film aus den Filmstarts des Jahres 2022 in das Kinojahr 2022 gestartet, aber ich wurde mit einem italienischen Film überrascht, den ich nicht auf meinem Plan hatte, mir dann aber doch sehr gut gefallen hat.

Ein Mann findet ein Tagebuch eines jungen Mädchens, dass aus einer Vorstadt Roms kommt. Das Buch, durchzogen von vielen Leerstellen nimmt dieser Mann zum Anlass, zu ergänzen und uns vom Sommer zu erzählen, der in diesem Tagebuch dargestellt wird. Von heranwachsenden Kindern mit Hoffnungen und deren Eltern, die bereits die Hoffnung scheinbar aufgegeben haben.

Die bittere Satire der unschuldigen Zwillingsbrüder Damiano und Fabiano D´Innocenzo ist gar nicht mal so unschuldig wie es den Anschein macht. Auf vielleicht etwas zu oberflächliche Art und Weise wird uns in diesem Film die gesellschaftliche Situation und die Probleme der Menschen im Raum italienischer beziehungsweise römischer Vorstädte skizziert. Dabei reißt der Film Stück für Stück die scheinbar perfekte Idylle und die perfekten Familien auf und lässt deren unangenehmen und teils abstoßenden Seiten zum Vorschein kommen – aber auch deren Probleme und zerbrochenen Träume sowie aufgegebenen Hoffnungen. Die Kinder, die für die Eltern Hoffnungsträger, aber sich selbst eher als Außenseiter sehen, werden zwar in bester Coming-Of-Age-Manier mit der Lösung der Konflikte beim Heranwachsen konfrontiert, nur geschieht das Ganze in diesem Film mit einer Spur Nihilismus, die fast als Gegenentwurf zum eher positiv gestrickten, normalerweise üblichen Coming-Of-Age-Film funktioniert. Im Film kommt es zu einer Vielzahl an unglaublich unangenehmen und teils abstoßenden Momenten, die einen durchaus emotional herausfordern. Der Film selbst kommt mit einer interessanten narrativen Struktur und Idee, die bereits in dem kurzen Abriss über den Inhalt des Films geschildert worden ist. Gerade dass die Tagebucheinträge eines Mädchens, dass im Film eine essentielle Rolle einnimmt auf (fiktionale) tatsächliche Ereignisse beruhen und einige Leerstellen enthalten, die ein unbeteiligter Mann um einige Dinge ergänzt, aber noch Leerstellen übrig bleiben, macht aus dem Film eine unzuverlässige Erzählung, bei der man selbst nie weiß, was nun wirklich passiert ist und was sich der Mann und Erzähler ausgedacht hat. So ist die Frage nach dem, was nun Realität oder Fiktion, Wahrheit oder Dichtung ist sehr interessant und macht den Film auf seine ganz spezielle Art sehr sehenswert, auch wenn natürlich ein Großteil der in diesem Film dargestellten Charaktere nicht wirkliche Sympathieträger sind.

„Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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