Review

iHaveCNit: Kokon (2020)
21.08.2020

Wenn es ein filmischer Bereich in den letzten Jahren immer wieder schafft mich zu begeistern ist es der Bereich von Filmen, die sich mit „Coming-Of-Age“ beschäftigen. Und da schaffen es in der immer moderner werdenden Welt, in der es immer größere Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Liebe gibt auch immer mehr Filme den Weg in die Kinos. Gerade in diesem Zug haben mich bereits Filme wie z.B. „Moonlight“ von Barry Jenkins und „Call Me By Your Name“ von Luca Guadagnino begeistert. Auf aktuellen Streifzügen in der aktuellen Zeit bin ich auf den deutschen Film „Kokon“ gestoßen, der eine charmante deutsche und weibliche Schwester von „Moonlight“ und „Call Me By Your Name“ geworden ist.

Es ist der wärmste Sommer seit sehr langer Zeit in Berlin am „Kotti“. Die schüchterne Nora genießt die Zeit, die sie mit ihrer Schwester Jule, deren Freundin Aylin und deren multikulturellen Freundeskreis verbringen kann. Doch innerlich spürt sie, dass sie anders tickt. Als sie aufgrund eines Unfalls beim „Fingerkloppe“ nicht mehr an einer Klassenfahrt teilnehmen kann, wird sie in der Klasse ihrer Schwester untergebracht. Als sie unerwartet vor der ganzen Klasse im Sportunterricht ihre erste Periode bekommt, bekommt sie Hilfe von der älteren Romy aus der Parallelklasse. Sie ist von der Hilfsbereitschaft Romys und ihrem selbstverständlichen Umgang mit dieser Situation so begeistert, dass sie sich in Romy verliebt und eine Veränderung durchmacht – genau wie die Raupen, die sie in ihrem Zimmer beherbergt.

Es gibt ein wichtiges Kompliment, das ich einem Film machen kann. Und das ist, dass ich dem Treiben auf der Leinwand ewig hätte zusehen können, aber der Film ist mit seinen etwas über 90 Minuten sehr kompakt und kurzweilig. Dazu passt ein sehr natürlicher, aber auch sehr herzerwärmender Monolog von der großartig von Lena Urzendowsky gespielten Nora, in dem es um die Schönheit, Vergänglichkeit und Banalität von Momenten geht. Die große Stärke von „Kokon“ ist die Natürlichkeit und die Intimität, wenn es um die zwischenmenschlichen Momente geht, auch wenn diese nur angedeutet und unausgesprochen bleiben. Gepaart mit dieser sehr warm auch inszenatorisch eingefangenen Atmosphäre des Sommers 2018 geht auch der Film emotional mit einer entsprechenden Wärme einher. Wenn es eine Schauspielerin in den letzten Jahren immer stärker schafft, auch abseits großer Kassenmagneten sich durch sehr variable und großartige Rollenauswahlen einen Namen zu machen ist es Jella Haase, deren Romy hier mal komplett ruhig, abgeklärt und entspannt wirkt und damit einen perfekten Rückzugsort für Lena Urzendowskys Nora liefert. Auch die von Lena Klenke gespielte größere Schwester Jule ist auch eine weitere großartige Rolle im Ensemble des Films. Mit wesentlich mehr Fokus auf die gesamten zwischenmenschlichen Momente hätte mir der Film noch ein wenig mehr gefallen, denn mit ein wenig zusätzlichen auch nur leicht oberflächlich angerissenen Kommentaren wirkt der Film von Leonie Krippendorf ein wenig überladen – und selbstredend konnte ich mir bereits vorstellen, in welche Richtung der Film auch gegen Ende hin gehen wird.

„Kokon“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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