Review

Die Kritik beruht auf die ungeschnittene DVD von Koch Media!

Nachdem ich von den beiden Poliziotti-Vertretern "Die Viper" und "Camorra" doch sehr enttäuscht war, wurde ich bei "Milano..." von Anfang an bestens bedient.

Auch wenn die deutsche Tonspur bei mir zu wünschen übrig ließ und ich die Lautstärke auf 90 stellen musste um etwas verstehen zu können, so nahm ich dieses Hindernis gerne in Kauf, denn dieser raue Gangsterfilm fesselte mich von der ersten Minute an.

Bis auf das bleihaltige Finale und eine kurze Schießerei im Mittelteil war "Milano..." relativ arm an Action.

Fernando di Leos Film lebte allein von seiner sehr guten Besetzung, wobei die Schauspieler - allen voran Mario Adorf - zu Höchstleistungen auftrumpften. Vor allem waren es durchweg sehr toll ausgearbeitete Charaktere: angefangen vom wortkargen Piazza, über dessen treu ergebenden Freund Gino bis hin zum cholerischen Rocco, dargestellt von Mario Adorf.

Zudem war die Handlung, eine Geschichte um Verrat, Ehre und Männerfreundschaft im Milieu der Mafia sehr spannend erzählt.
Bis zum Ende war dem Zuschauer nicht klar, wer für die verschwundenen 300.000 Dollar verantwortlich war.

Doch was vor allem "Milano..." von anderen Vertretern dieses Genre unterscheidet, war dieser fulminante Story-Twist am Ende dieses kleinen Meisterwerkes. Mit dieser überraschenden Wendung war nicht zu rechnen.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist der fetzige Soundtrack von Riz Ortolani, der hier unter einem Pseudonym komponierte.

Einziger Kritikpunkt wäre allerdings vor allem bei der Schießerei zum Ende des Filmes das jegliche Fehlen von Special Effects. Es wirkt doch schon etwas merkwürdig, wenn jemand helle Kleidung trägt und dann von Kugeln durchsiebt wird, ohne dass auch nur ein Spritzer Blut fliesst.

Insgesamt gesehen ist "Milano Kaliber 9" ein durchweg unterhaltsamer Film, der von seinen Darstellern und ihren tollen Charakteren getragen wird. Vielmehr gleicht die Handlung mit ihrem wortkargen Helden und dem übermächtigen Gangsterboss einem Western und wenn man ihn mit einem Western vergleichen möchte, so käme "Leichen pflastern seinen Weg" in Frage, denn auch hier gibt es kein Happy End für unseren Helden. Wie einst in Sergio Corbuccis Westernklassiker stirbt hier Piazzi nicht im kühlen Schnee, sondern in dem kühl eingerichteten Apartment seiner Geliebten in einem Farbspiel aus schwarz und weiss.

Nicht umsonst zählt dieser Klassiker zu den Lieblingsfilmen von Quentin Tarantino.

Daher gibt es von mir 8 von 10 Kugeln aus Piazzis Waffe.

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