Review
von Leimbacher-Mario
Wer ist jetzt das Arschloch?
Influencer, YouTuber und Co. - einerseits bekannt und geliebt, andererseits nervig und verachtet. Nur wer ist vielfach noch um einiges schlimmer? Genau, deren Follower. Wir also. Zumindest zum Teil. Denn genauso schnell wie ein digitales „Sternchen“ hochgejubelt wird, kann er wieder zu Boden geschmissen und zerfetzt werden. Der Slasher-Shorty „#chadgetstheaxe“ spielt gekonnt mit diesem perversen Zwiespalt, mit dieser seltsamen Hassliebe unserer Zeit - inklusive Egoismus, Neid und Oberflächlichkeit - indem einer dieser respektlosen Selbstdarsteller nachts in ein verlassenes „Mörderhaus“ geht, per Handy live an seine „Fans“ überträgt, diese fleissig im unteren Bildrand kommentieren. Und natürlich kommt, was kommen muss: der Killer ist alles andere als „außer Haus“ oder eine Legende...
„#chadgetstheaxe“ funktioniert auf beiden seiner Ebenen - als simpler Slasher, bei dem man dem arschigen, aufmerksamkeitsgeilen Einbrecher schnell den Tod wünscht, sowie als schockierender, realistischer Kommentar auf die Kommentatoren und Zuschauer selbst, (viele von) uns also eingeschlossen, die diesen irgendwie dann doch bemitleidenswerten Likes-Suchenden im Niveau noch locker unterbieten und in ihrer Boshaftigkeit spielend toppen. Die Anonymität macht’s quasi möglich und deckt die schlechtesten Seiten unserer Spezies einwandfrei auf... All das ist sehr unterhaltsam, zynisch, kurzweilig und böse. Genau so, wie es sein soll. Ein idealer, nachwirkender Zwischensnack an jedem Abend mit Jason, Freddy, Victor Crowley und Co. Ein Intro mit Biss.
Fazit: guter Slasher trifft exzellente Social Media- und Gesellschaftskritik - sehr zynisch, böse, gruselig und spaßig. Ein schwarzer, kleiner Taschenspiegel für die aktuelle, ziemlich eklige (Netz-)Gesellschaft. Klasse!