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Gawain, seines Zeichens Neffe des sagenumwobenen König Artus und einen eher lockeren Lebenswandel pflegend, nimmt an Weihnachten an den Festivitäten der Tafelrunde teil. Eben in diese Feier platzt ein unbekannter Ritter, dessen Vorschlag Gawains Leben nachhaltig beeinflussen wird.

Es bei einer vagen Beschreibung der Geschichte zu belassen, ist hier von Vorteil. Mike Lowerys Interpretation der Sage „Sir Gawain and the Green Knight“ muss man auf sich wirken lassen. Lowery hält sich dabei nicht strikt an die Vorlage, einzelne Versatzstücke übernimmt er und fügt diverse Vorkommnisse hinzu. Passend zum Ausgangsmaterial ist der Film in Episoden unterteilt, inklusive entsprechenden Einblendungen.
Der titelgebende Grüne Ritter leitet eine Prüfung ein, aus der ein mittelalterliches Roadmovie erwächst. Dass keiner der Anwesenden die Bedingungen der Prüfung infrage stellt, mutet dabei durchaus merkwürdig an. Dies unterstreicht jedoch recht früh den mythologischen Charakter des Films, der sich in der gesamten Inszenierung wiederfindet. Die sehenswerten Aufnahmen von Andrew Droz Palermo mit ihrem Licht und den Farben tragen ebenso hierzu bei. „The Green Knight“ ist ein fantastisch fotografiertes Werk mit einer dichten Atmosphäre. Ebenso ist er recht gemächlich erzählt, schafft es aber, nicht langatmig zu sein. Trotzdem hätte ich gerne nur ein bisschen mehr an die Hand bekommen und eine kleine Straffung hätten der Intensität nicht geschadet. Weiterhin muss man in der richtigen Stimmung sein, sonst kann das Erlebnis auch ganz anders aussehen.

Das Unterfangen selbst scheint für Gawain schon zu Beginn seiner Reise aussichtslos und so schickt sich der „Held“, der erst in diese Richtung reifen muss, immer weiter in Richtung seines Verderbens. Aus diesem Punkt und den einzelnen Stationen, die er auf dem Weg zum Ziel abklappert, zieht die Verfilmung eine ganz eigene Art von Spannung. Jede Ablenkung auf dem Weg scheint da willkommen, um das Ende hinauszuzögern. Andererseits ist Gawain auch eine eher ambivalente Figur, nicht der typische Protagonist eines Ritterfilms. Womit er sich dem ganzen Drumherum anpasst, denn „The Green Knight“ ist auch kein typischer Vertreter seines Genres. Gerade zum Ende hin kumulieren die im Raum stehenden Fragen nach dem Sinn der eigenen Existenz, der Bewertung ihrer Einzelteile und des Begriffs Heldentum. Daraus kann man seine Schlüsse ziehen. Man bekommt, was man gibt.
Dev Patel ist zu Beginn gewöhnungsbedürftig als Mitglied an Artus' Hof, spielt sich aber schnell da heraus und zeigt eine sehenswerte Leistung. Alicia Vikander in einer Doppelrolle, Joel Edgerton und Sean Harris ergänzen den guten Cast.

Mit „The Green Knight“ schaffte Lowery kein klassisches Mittelalterabenteuer, sondern eine melancholische und sinnsuchende Reise eines Mannes, der sich gegen ein schon feststehendes Ende aufzulehnen sucht. In reduziertem Tempo, aber eindringlich und mit sehenswerten Bildern versehen, konnte die Erzählung mich trotz etwas Kritik in ihren Bann ziehen.

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