Review

Schhhhhhhh, sie sind wieder da…


Für viele Kritiker letztes Jahr der letzte Film, der vor dem Lockdown und dem kurzzeitigen Ende der bekannten Welt in Pressevorführungen gezeigt wurde, kommt „A Quiet Place 2“ nun endlich in die Kinos, über ihn darf geredet werden. Und man muss über den Monsterblockbuster sagen: Holla die Waldfee, da hat man schon weitaus schwächerer Sequels in der Beziehung gesehen! John Krasinski fehlt über weite Strecken zwar als Darsteller, doch als Regisseur lernt er spürbar dazu und steckt in das Projekt eine Menge Herzblut. Auch ungewöhnlich für das oft von Fließbandware und Auftragsarbeiten geprägte Horrorgenre (das ich dennoch über alles liebe!). Die weiterhin versucht geräuscharme und notgedrungen angespannte Fortsetzung setzt (nach einem kurzen, sehr gelungen „Tag 1“-Prolog) nahtlos an den ersten Teil an und erzählt hauptsächlich von der charakterlichen Weiterentwicklung der Kinder und dem Überleben in einer von aggressiven Aliens überrannten Welt, nachdem die heimische Farm zerstört und abgebrannt ist, der Vater sich als Anführer geopfert hat…

Nur in appe 90 Minuten auf dem Tacho sieht man bei einer Hollywoodgrossproduktion heutzutage selten - zu „A Quiet Place II“ passt das allerdings perfekt. Konzentriert, spannend, kein Gramm Fett zu viel. Cillian Murphy ist wie immer eine Bereicherung. Das Design und Verhalten der geräuschempfindlichen Invasoren gefällt mir weiterhin exzellent. Die Kinderdarsteller sind gereift und haben sich verbessert. Es gibt etwas mehr Action und Lautstärke. Schon der Rückblick spielt sehr gekonnt und fast meisterhaft clever mit allen Stärken des Franchise (kann man bei einem geplanten dritten Teil ja schon so nennen). Und Emily Blunt legt bei der Produktion ihres Mannes natürlich nochmal extra was rein. Das hilft, das ankert, das reißt mit, das lässt das Kino noch immer verstummen, das lässt schwitzen und hochschrecken. Dieses Mal sogar keine Quatscher und Schmatzer im Kino (tolles Fantasy Filmfest-Publikum, wie immer). Richtig viele Neuigkeiten oder Erkenntnisse darf man nicht erwarten, der älteste Junge der Familie kann durchaus als Schreihals und Schlappie nerven, im Endeffekt sind wir danach storytechnisch nicht viel weiter oder schlauer als vorher. Es wirkt wie ein Zwischensnack. Aber zufrieden ist man trotzdem. Es sei denn, man mochte schon Teil 1 nicht und hat sich an ein paar Fragezeichen und Ungereimtheiten dieser interessant aufgebauten Welt gestört, dann wird man sich auch hier etwa fragen: „Warum lauft ihr immer noch barfuß, wenn Schuhe oder zumindest Socken auch nicht viel lauter scheinen?“. Und das nur als Beispiel und i-Tüpfelchen. Ich denke so aber nur ganz sporadisch. Die meiste Zeit hatte ich eine gute Zeit. Besonders das Sounddesign ist schon bockstark. Da spürt man schnell, warum Paramount die ganze Pandemie an einem Kinostart für ihren Vorzeigetitel festgehalten hat. Ein völlig verdienter Erfolg und erster 100 Mio.-Blockbuster in den Staaten. 

Fazit: etwas „more of the same“, richtig viel in Sachen Story und Entwicklung tut sich nicht, allzu lang bleibt der wohl nicht hängen und der Wow-Effekt des Originals ist natürlich futsch - und dennoch ist „A Quiet Place: Part II“ ein verdammt knackiges, kompetentes und kurzweiliges Creature Feature von Format! 

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