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Nightmares On Release Street: The Mutant Warriors


Mehr als drei Jahre nach den Dreharbeiten und fast zweieinhalb Jahre nach dem ersten, angedachten Erscheinungsdatum kommt nun „The New Mutants“ doch noch ins Kino - was für eine Tortur und Leidensgeschichte dieser Mutantenstadl zwischen Freddy Kruegers drittem „Abenteuer“ und „Breakfast Club“ schon hinter sich hat... Wahnsinn! Schon seit Jahren und gefühlten Ewigkeiten hängt in meinem Kinozimmer ein gewonnenes Poster der Produktion - manche haben gar geglaubt, wir sehen das Ding nie mehr. Oder irgendwo abgeschobenen auf Hulu oder gekürzt auf Disney+. Aber nein, jetzt ist er endlich im Kino - gut so! Hat er sich verdient. Und das auch noch in seiner ursprünglichen, unveränderten Version, für die sich Regisseur Josh Boone („The Fault In Our Stars“) alleinig verantwortlich zeigt. Ebenfalls: lobenswert und gut so! Worum geht’s? Um eine Handvoll Jugendliche, Problemfälle und angehende Mutanten in einem abgeschirmten „Krankenhaus“, das eher einer leeren Irrenanstalt ähnelt, die mit ihren neuartigen Kräften und tiefsten Ängsten konfrontiert werden, sich selbst und einander besser kennenlernen müssen...

„The New Mutants“ ist der endgültig und mehr als verspätete letzte Beitrag zum längst „toten“ „X-Men“-Franchise, bietet auch ein paar kleinere Verbindungen und Easter Eggs zu diesem und etlichen Comics. Das ist nett, aber mittlerweile fast etwas unnötig. Gut, dass der milde „Grusler“ auch völlig eigenständig funktioniert. Er wirkt etwas oberflächlich und gehetzt, entscheidet sich nicht recht, in welchem (Genre-)Pool er denn endgültig schwimmen möchte und die Teens sind sehr sympathisch, im Endeffekt aber doch größtenteils Klischees. Auch das CGI-überfrachtete Finale tut sich keinen Gefallen. Doch im Endeffekt hätte „The New Mutants“ viel mieser sein können, ich sehe keinen Grund, warum diese nette Abweichung von üblichen Wegen jahrelang im Studiokeller und Giftschrank schmoren musste. „The New Mutants“ ist kein „Fant4Stic“, vollkommen passabel und nichts, wofür man sich schämen müsste. Der Horroranteil ist mir deutlich zu zaghaft, der Haken bzw. die „mysteriöse Fähigkeit“ der Hauptfigur ist schnell kein Geheimnis mehr und aus den Figuren und deren Verbindungen hätte man noch mehr herausholen können, ein paar coole Songs fehlen, ebenso wie gefühlt einige Szenen aus früheren Trailern und Teasern. Dennoch kann ich hier überraschend viel gutheißen. Der junge (und mittlerweile sehr namhafte Cast) hat es drauf und trägt den Film spielend (Anya Taylor-Joy ist eine Göttin! Maisie Williams ein absolute Sympathieträgerin!), die Effekte sind nicht mehr total up-to-date, aber vollkommen brauchbar, und vor allem die romantischeren, freundschaftlichen Passagen um Teenage Angst, Erwachsenwerden und Zusammenwachsen funktionieren fein. „The New Mutants“ ist kein „Logan“ und verspielt ein paar seiner exzellenten Ansätze leichtfertig, ist aber meilenweit besser als ein wesentlich größerer „Blockbuster“ seiner Reihe wie „Dark Phoenix“. Ich bin erleichtert. 

Fazit: simpler, aber effektiver Coming of (R)Age-Mutanten-Horror light - schön, „The New Mutants“ nach all den Jahren doch noch (im Kino!) sehen zu dürfen. Sicher kein Meilenstein und etwas angestaubt, jetzt schon zum Teil nicht allzu gut gealtert - aber dennoch, vor allem durch seine jungen Stars (und ich sage extra nicht mehr „Sternchen“!), ein intimes Abenteuer und ein persönlicher Selbstfindungstrip, den ich nie abschalten würde, wenn ich ihm im TV kurz vorm Schlafengehen über'n weg laufen würde. Wenn klassisches Fernsehen (in meiner Welt) denn überhaupt noch existieren würde... So oder so: „The New Mutants“ kriegt einen zaghaften Daumen hoch. Ich mag ihn. 

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